Die Zukunft ist glänzend - Geschichten vom Weltuntergang IV

Heiner Müller: Warten auf nichts oder Das schwarze Loch

26. Februar 2015

MalerSaal

Heiner Müller war einer der größten Apokalyptiker der deutschsprachigen Literatur im 20. Jahrhundert. Nicht zufällig. Er schrieb von seinen Erfahrungen, also von den Erfahrungen der Epoche, also von Katastrophen. Sie schärften seinen Blick für Widersprüche. Kein Schicksal gab es zu beschreiben, sondern menschliches Handeln und seine Folgen. Utopie (oder ihr schwarzes Gegenteil) als Resultat eines historischen Prozesses, in den er eingezwängt war. Die Barbarei der Nazis, die Leichenberge des Zweiten Weltkriegs wurden eben nicht aufgefangen durch die tröstlichen Verheißungen einer kommunistischen Utopie, sondern gebeizt durch den Terror des Stalinismus. Minus mal minus ergibt plus nur als mathematische Gleichung. Die Enden der Parabel: sein Schreiben erwuchs aus der Hoffnung des Fortschritts, wendet sich am Scheitelpunkt, der Arbeit an der Gegenwart, in die Dunkelheit einer ungewissen Zukunft. Dort finden wir uns wieder, davon handeln seine Texte. Keine Phantasmagorie, sondern Zukunft als Produkt menschlichen Tuns. Utopie ist ausgebrannt. Dahinter gibt es – nichts. Das Verlöschen der Welt in den Bildern.

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