Heimweh & Verbrechen

von Christoph Marthaler, Anna Viebrock, Sarah Schittek, Malte Ubenauf und Ensemble / Uraufführung

Uraufführung 21/02/2014

SchauSpielHaus

Dauer: Zwei Stunden, 15 Minuten, keine Pause

»Heimweh und Verbrechen«, so betitelte der berühmte norddeutsche Psychiater und Philosoph Karl Jaspers einst seine Doktorarbeit. Veröffentlicht im Jahre 1909, berichtete er dort von Vorfällen, in denen heimatferne Kindermädchen gegen die ihnen anvertrauten Zöglinge gewalttätig wurden – fast immer mit tödlichen Folgen. Jaspers Erklärung für das Handeln der jungen Frauen und Mädchen: verzweifeltes Heimweh. In der Überzeugung, erst dann nach Hause zurückkehren zu können, wenn der Grund für den Aufenthalt in der Fremde ausgelöscht wird, begingen die Kindermädchen Straftaten, zu denen sie unter anderen Umständen niemals in der Lage gewesen wären.

Heimweh als Auslöser einschneidender Persönlichkeitsveränderungen? Karl Jaspers hat diesbezüglich keine Zweifel. Nicht zu erwarten ist nun, dass Christoph Marthaler am SchauSpielHaus eine wissenschaftliche Arbeit zur Erlangung der Doktorwürde inszeniert. Vielmehr werden einzelne Figuren, von denen Jaspers in seiner Studie berichtet, in jenem musikalisch-szenischen Raum auftauchen, in welchem der Schweizer Regisseur den Dimensionen und Folgen der weltweit unterschätztesten Krankheit auf seine sehr eigene Weise nachspüren wird. Als Heimweh-Spezialist von Geburt an. Denn in Marthalers Herkunftsland trägt der unkontrollierbare Gemütsschmerz folgenden schicksalhaften Namen: „La maladie suisse“.

Fotos © Walter Mair

Es spielen: Olivia Grigolli, Rosemary Hardy, Irm Hermann, Ueli Jäggi, Josef Ostendorf, Martin Pawlowsky, Clemens Sienknecht, Bettina Stucky, Sasha Rau, Ulrich Voß Musiker: Martin Schütz

Regie: Christoph Marthaler Bühne: Anna Viebrock Mitarbeit Bühnenbild: Blanka Rádoczy Kostüme: Sarah Schittek Musik: Martin Schütz, Clemens Sienknecht Dramaturgie: Malte Ubenauf

Pressestimmen

SPIEGEL online

„Die Hamburger haben allen Grund zur Freude, dass der aus der Fremde zugewanderte Christoph Marthaler zurück ist in der Stadt.“

Süddeutsche Zeitung

„Es gibt grandiose Auftritte in diesem Sanatorium für Heimwehkranke.“

Frankfurter Rundschau

„Niemand sonst im Theater weiß so herzerheiternd die Menschen zu preisen: eine Unterhaltungskunst, in der sich das Komische beim Traurigen unterhakt. Das Marthaler-Theater ist immer schon mehr als das, ist auch garstig hinterhältig, packt den Zuschauer unversehens im Nacken.“

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