John Gabriel Borkman

von Henrik Ibsen

Premiere 21/09/2014

SchauSpielHaus

Dauer: Zwei Stunden, keine Pause

Tief gefallen ist John Gabriel Borkman, ehemaliger Bankdirektor und Unternehmer. Seit seiner Rückkehr aus dem Gefängnis vor acht Jahren, in dem er wegen Veruntreuung von Geldern einsaß, lebt er mit seiner Frau Gunhild im Haus der Schwägerin Ella: er oben, seine Frau unten, ohne jeglichen Kontakt miteinander. Eines Abends erscheint die sterbenskranke Ella, die Borkman damals geliebt, aber für seine Karriere geopfert hat. Ella fordert den Sohn der Borkmans zurück, da sie ihn einst aufgezogen hatte. Doch Gunhild verfolgt eigene Pläne mit Erhart, wie sich auch Borkman einen Neubeginn durch ihn erhofft – der Sohn als Erlöser, als Rächer, als Hoffnungsträger einer Generation, die nurmehr ein Schattendasein führt und unfähig zum verantwortlichen Handeln ist. Doch der Junge verweigert die ihm zugewiesene Rolle und will nur eins: das eigene Glück.

»John Gabriel Borkman«, das zweitletzte Stück, das Ibsen vor seinem Tod 1906 geschrieben hat, gilt als eines der Meisterwerke des norwegischen Dichters. Die Fülle der Themen, die ihn zeit seines Lebens umtrieben, führt er hier noch einmal dicht zusammen. Die Lebenslüge oder der „Wille zum Schein, zur Illusion“ als existentielle Grundbedingung der Menschen wird darin ebenso verhandelt wie ihre Beziehungen untereinander, die in diesem Kosmos nur noch von den Gesetzen des Marktes bestimmt sind: Alles wird zur Handelsware – die Liebe, der Sohn, das eigene Leben.

Eingeladen zum Theatertreffen 2015

Lina Beckmann wurde im Rahmen des Berliner Theatertreffens für ihre Darstellung der Ella mit dem 3sat-Preis ausgezeichnet und war mit dieser Rolle für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST in der Kategorie „Darsteller/in Schauspiel“ nominiert. Gala Winter erhielt, ebenfalls im Rahmen des Theatertreffens, für die Rolle der Frida Foldal den Alfred-Kerr-Darstellerpreis.


Fotos © Klaus Lefebvre

Es spielen: Lina Beckmann, Matthias Bundschuh, Jan-Peter Kampwirth, Josef Ostendorf, Kate Strong, Julia Wieninger, Gala Othero Winter

Regie: Karin Henkel Bühne: Kathrin Nottrodt Kostüme: Nina von Mechow Musik: Arvild J. Baud Licht: Annette ter Meulen Dramaturgie: Sybille Meier
Kooperationspartner

Pressestimmen

Hamburger Abendblatt

„Was Regisseurin Karin Henkel mit Ibsens ‚John Gabriel Borkman‘ macht, ist phänomenal. Aus dem Stück über einen bankrotten, vorbestraften, selbstherrlichen Bankdirektor, der einst Ella geliebt, sie aber aus Gründen des Machterhalts seinem Nebenbuhler abgetreten und ihre Zwillingsschwester Gunhild geheiratet hat, erschafft Henkel einen unheilschwangeren Albtraum. Das Publikum applaudiert begeistert.“

Süddeutsche Zeitung

„Entgegen jeder üblichen Ibsen-Spielweise traut Karin Henkel sich, nicht Charaktere zu entwickeln, sondern in die Grauzone von Zuständen einzutauchen, die das psychische Zuhause für gewöhnlich sorgsam verbirgt. Sie stülpt das Drama um und zeigt, was im Schatten der Selbstzensur an Fantastik gedeiht. Wohin uns unsere unverdauten Aggressionen führten, wenn wir der Höflichkeit und dem Respekt Ade sagen würden. Zugleich lässt einen der Abend intensiv staunen, was für beeindruckende Monster wir doch sind.“

dpa

„Bei der Premiere jubelte das Publikum über Henkels Deutung, die alle inneren Verwerfungen heftig überzeichnend nach außen gekehrt und aus dem Klassiker des psychologischen Naturalismus eine grelle Groteske geschaffen hat. Voll leidenschaftlicher Energie wirft sich ein siebenköpfiges Ensemble in seine Rollenfiguren.“

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