Pastor Ephraim Magnus

von Hans Henny Jahnn

Premiere 19/03/2015

SchauSpielHaus

Dauer: Fünf Stunden, eine Pause

Der junge Hans Henny Jahnn flieht vor der Barbarei des Ersten Weltkrieges aus Hamburg und geht nach Norwegen. Im Exil schreibt er das Theaterstück, das ihn berühmt macht und für das er 1920 den Kleist-Preis erhält: »Pastor Ephraim Magnus«. 1923 bringen Arnolt Bronnen und Bertolt Brecht eine stark reduzierte Fassung zur Uraufführung. Das „Vulkanartige, das die Form oft sein musste“, korrespondiert im Stück mit der exzessiven Lebenssehnsucht der Figuren. „Ich lebe nicht!“ – ist der Todesfluch des sterbenden Vaters, des alten Pastor Magnus, der seine drei Kinder veranlasst, Gott in der körperlichen Lust und Qual zu suchen. Bewusst überschreiten sie dabei alle Grenzen der bürgerlichen Ordnung, mit aller denkbaren Radikalität experimentieren sie mit sich und anderen, werden Täter und Opfer zugleich. Jakob, der Frauenmörder, wird hingerichtet, die überlebenden Geschwister Johanna und Ephraim bewahren den Körper des Toten und erkunden selbst die Grenzen körperlichen Schmerzes. In diesen Überschreitungen sind Jahnns Figuren jedoch auch immer auf der Suche nach einem Sinn und Sein jenseits eines zerstörerischen Systems, das vom Ersten in den Zweiten und schließlich in den atomaren Schrecken des Kalten Krieges führte.

Regisseur Frank Castorf kehrt mit seiner Inszenierung von Jahnns Frühwerk in dessen Heimatstadt Hamburg und ans SchauSpielHaus zurück.

Fotos © Matthias Horn

Es spielen: Jeanne Balibar, Carlo Ljubek, Christoph Luser, Josef Ostendorf, Aljoscha Stadelmann, Bettina Stucky, Michael Weber, Kathrin Wehlisch, Samuel Weiss

Regie: Frank Castorf Bühne: Aleksandar Denic Kostüme: Adriana Braga Peretzki Licht: Lothar Baumgarte Video und Live-Schnitt: Alexander Grassek Kamera: Marcel Didolff, Harald Mellwig Sounddesign: Dominik Wegmann Produktionsleitung: Sebastian Klink Dramaturgie: Jörg Bochow

Pressestimmen

Deutschlandfunk

Schlicht großartig und jede Anstrengung wert.

NDR 90,3

Regiegigant Castorf trifft auf den Sprachgiganten Hans Henny Jahnn, das ist eine richtige Theaterschlacht.

Süddeutsche Zeitung

Das Stück ist wie gemacht für Castorf, der sich erstaunlich genau an die Textvorlage hält und sie in eine gut fünfstündige kaputt-abgefuckte wie lebensgierige SM-Orgie verwandelt. […] Es ist eine Zumutung, aber eine, die dunkel verführerisch schimmert.

Frankfurter Rundschau

Figuren, als liefen sie über glühende Kohlen, als würden sie gerädert, gepeitscht, verfolgt: als wären sie Bildern von Goya entflohen, als würden sie von den Sätzen geknebelt. […] Man erschrickt vor diesen Figuren, man verfällt ihnen.

NDR Kultur

Überhaupt leisten die Schauspieler Großartiges. Vor allem Josef Ostendorf. Er brilliert gleich zu Beginn als lebensmüder Pastor. Wie es ihm gelingt, Ironie, Verachtung und kindliches Staunen nahezu gleichzeitig in sein Gesicht zu zaubern, das muss man gesehen haben.

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