Peer Gynt

von Simon Stone nach Henrik Ibsen

Premiere 23/03/2016

SchauSpielHaus

Dauer: Zwei Stunden, 45 Minuten, eine Pause

Henrik Ibsen erzählt die Geschichte des Lügners und Außenseiters, Querdenkers und Draufgängers, aber auch Egoisten und Versagers Peer Gynt als Odyssee des modernen Menschen. Der junge Peer lässt Mutter, Heimat, Kind und seine große Liebe Solveig zurück, um sich die Welt anzumaßen. In Afrika wird er Unternehmer und Prophet, Philosoph und Reeder, aus wechselnden Identitäten schlägt er Kapital. Erst in späten Jahren kehrt er noch einmal in seine Heimat zurück, um mit sich und der Welt abzurechnen. Ob er Erlösung in der Liebe findet? Das „dramatische Gedicht“ von 1867, in dem Ibsen Satire und Groteske, surreale und realistische Elemente mit der Tragödie verwebt, ist zu einem der großen Mythen des europäischen Theaters geworden. Der australische Regisseur Simon Stone, der mit seinen Bearbeitungen klassischer Theatertexte bereits international für Furore sorgte, wird »Peer Gynt« überschreiben und inszenieren.

„Unsere Literatur ist voll von Männern, die sich erst einmal kaputt machen, nur um sich selbst wieder zu finden. Ein männliches Privileg. Schon immer haben wir die Selbstzerstörung junger Männer romantisiert, die gesellschaftliche Grenzen in Frage gestellt und sich gegen Idioten gewehrt haben. Wo aber sind die Frauen, die Mist bauen, einfach nur weil sie es können? Weil sie es müssen? Weil herauszufinden, wer sie wirklich ist, genau diese Form von Selbstvernichtung braucht? Es ist eine viel größere Bedrohung, wenn sich eine Frau wie Peer verhält. Warum? Nimm die gleiche Geschichte, die gleichen Ereignisse, die gleiche Selbstsucht und Gleichgültigkeit, die gleichen Taten, die gleiche gesellschaftliche Verachtung, den gleichen Hedonismus, die gleiche sexuelle Maßlosigkeit, Gier, Faulheit und Leck-mich-am-Arsch-Haltung – und mach daraus eine Frau. Und wenn sie am Ende ihrer Odyssee von der Selbstzerstörung zur Selbstentdeckung gelangt, wenn Peer nach Hause zurückkommt nach Jahrzehnten des Herumirrens und den Mann findet, der sie nie vergessen hat, der sie vertrauensvoll geliebt hat in all ihren Jahren auf Abwegen, ist es wirklich ein Triumph für sie zu erkennen, wer sie die ganze Zeit eigentlich hätte sein sollen mit ihm dort an ihrer Seite? Dass Heim und Ehemann es sind, die sie verloren hat in dem ganzen Kaleidoskop menschlicher Erfahrung? Oder war er ein notwendiges Opfer? Peer Gynt ist die aufregendste Rolle, die Ibsen – ohne es zu wissen – für eine Frau des 21. Jahrhunderts geschrieben hat.“
Simon Stone

Fotos © Matthias Horn

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Pressestimmen

Hamburger Abendblatt

„Der australische Autor und Regisseur hat einen eigenen »Peer Gynt«-Text geschrieben und inszeniert. Stone dekonstruiert nicht und versucht das Drama anschließend mit Regieeinfällen wieder zu beleben, er unternimmt den durchaus interessanten Versuch, das Archetypische ins Heute zu übersetzen.“ – Hamburger Abendblatt

Die Welt

„Die Ambivalenz, Peer Gynt zu sein, also das Progressive und zugleich Verlorene, wird von den drei Schauspielerinnenmit viel Sensibilität vermittelt. Simon Stones Inszenierung von Peer Gynt nach Henrik Ibsen ist so zwiebelhaft vielschichtig, dass man am Besten gar nicht erst nach einem wahren Kern suchen sollte. Es gibt mehrere Häute, in denen man stecken möchte, sollte man zufällig grade auf der Suche nach sich selbst sein.“ – Die Welt

Spiegel online

„Es soll bitte weitergehen! Ein rarer Moment, ein veritabler Cliffhanger gelang Regisseur Simon Stone am Ende seiner zweieinhalbstündigen »Peer Gynt«-Performance am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. (…) Jubelnder Premierenbeifall für ein tolles Ensemble und das perfekte Regieteam, ohne ein einziges Buh. Kommt nun »Peer Gynt II«? Bei Simon Stone ist nichts unmöglich.“ – Spiegel online

taz

„Man erlebt einen schlüssig erzählten und erfrischend kurzweiligen Abend, der nicht nur immer wieder gelungene neue Bilder für bekannte Motive findet, sondern inmitten des mitunter hektischen Spiels eines virtuosen Ensembles gegen Ende auch immer mehr Platz für leisere Töne findet.“ – taz

NDR Kultur

„Die Szenen fließen förmlich ineinander, auf der weit nach vorne ins Parkett gezogenen Bühne entstehen immer wieder schöne Bilder. Außerdem spielen vor allem die Frauen virtuos. Die verträumte Kindfrau Angela Winkler, das Karriereweib Maria Schrader und die zarte Gala Winter bilden ein großartiges Trio. (...) Alle Schauspieler wurden am Ende mit Bravorufen gefeiert – und auch der Regisseur.“ – NDR Kultur

Der Spiegel

„Man muss Stone dafür bewundern, mit welcher Souveränität er sich bei dem Klassiker bedient und aus zentralen Motiven des Stücks eine eigenständige grandiose Saga über die moderne dysfunktionale Familie zimmert. Das Psychogramm dreier Frauen aus drei Generationen auf der Suche nach dem, was man erfülltes Leben nennt.“ – Der Spiegel

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