Schiff der Träume

Ein europäisches Requiem nach Federico Fellini

Premiere 05/12/2015

SchauSpielHaus

Ein Luxusdampfer auf Kollisionskurs mit der politischen Realität. An Bord eine illustre Künstlergesellschaft – abendländische Monomanen, Angehörige eines modernen, europäischen Orchesters – auf dem Weg zur Seebestattung des Dirigenten. Überzeugt von ihrer aufklärerischen Mission, gefangen im Elfenbeinturm elaborierter, ästhetischer Diskurse, in Anspruch genommen von persönlichen Eitelkeiten und Ängsten um die eigene Zukunft, sind die Musiker nicht in der Lage, das sich anbahnende Desaster der politischen Wirklichkeit zu bemerken. Während an Bord noch engagiert geprobt wird – „Human Rights Nr. 4“, das opus magnum ihres verstorbenen Dirigenten – herrscht auf dem Meer ringsum längst der ungeschützte und rechtsfreie Ausnahmezustand einer fortschreitenden Globalisierung.

Als sich der Kapitän gezwungen sieht, die Passagiere eines schiffbrüchigen Flüchtlingsbootes aufzunehmen, nimmt die Bestattungsreise einen ungeplanten Verlauf – liebgewonnene eurozentrische Illusionen aufrecht zu erhalten, ist nun auch an Bord dieses Traumschiffes nicht mehr möglich.
Fellinis »Schiff der Träume« ist beides zugleich: Requiem für ein realitätsblindes und daher zum Untergang verurteiltes Europa und poetisch-dramatischer Aufruf zur Kursänderung. Karin Beier hat den Filmklassiker von 1983 mit Schauspielern, Performern und Musikern für die Bühne überschrieben und neu interpretiert.

»Schiff der Träume« war zum Berliner Theatertreffen 2016 eingeladen und war als „beste deutschsprachige Aufführung“ für den NESTROY-Preis nominiert.


>> Einführung:
Eine halbe Stunde vor der Vorstellung am 21/12 findet eine Einführung im MarmorSaal statt.

Fotos © Matthias Horn

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Pressestimmen

Die ZEIT

„Das Schauspielhaus, begreift man nun, ist der Ort, wo gesellschaftliche Verantwortung des Theaters aktuell und in brisantester Weise ausgehandelt wird. (…) Dass eine Staatsbühne das eigene Milieu in eine Bankrottsituation treibt und zeigt, dass die über lange Zeit kultivierte Idee, sich selbst im Anderen, im Fremden und ‚Exotischen‘ zu finden, heute als naive Romantik ausgespielt hat, das ist schon unerhört: unerhört redlich und tapfer. (…) Karin Beier zeigt, was politisches Theater heute sein kann: eine radikale Selbstkonfrontation.“

NDR Kultur

„Den Spieß einfach umdrehen, der europäischen Gesellschaft den Spiegel vorhalten, das ist noch nicht originell, aber Karin Beier und ihre hier unbedingt zu erwähnenden Dramaturgen Stefanie Carp und Christian Tschirner setzen immer noch einen drauf. Sie spielen hingebungsvoll und ohne Scheuklappen mit so ziemlich jedem Klischee und deklinieren die Themen Flüchtlinge, Festung Europa und Tod rotzfrech durch - ohne dabei einen missionarischen Anspruch zu erheben. Insofern bietet dieser Abend viel Stoff zum Nachdenken und ist gleichzeitig sehr unterhaltsam.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Regisseurin Karin Beier mischt die melancholische Grundstimmung des Fellini-Films von 1983 mit der beißend-komischen Tragik der „Kreuzschifffahrtbeschreibungen“ von David Foster Wallace aus dem Jahr 1995 und umrahmt sie mit eigenen Text-, Musik- und Choreographiephantasien. Insgesamt liegt über der Szenerie eine fast schon tschechowsche Trostlosigkeit, die sich hier und da zu einem Requiem auf eine verendende Ära steigert.“

NDR Hamburg Journal

„Obwohl das Stück fast drei Stunden dauert, ist »Das Schiff der Träume« ein eindrucksvoller, fulminanter Theaterabend, der noch lange nachwirkt.“

3sat Kulturzeit

„Aktuell, spannend und voller Überraschungen. Alles in allem eine überzeugende Inszenierung.“

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