Wolli Indienfahrer

Ein Abend von und mit Rocko Schamoni, Lina Beckmann, Bastian Lomsché, Michael Weber und Linda Zervakis.

Wolli Köhler war Weltenbummler und Marxist, Künstler und Intellektueller, Lebemann, Koberer, Rotlichtkellner und zwischenzeitlich reicher Puff-Boss. Er träumte von einem sozialistischen Bordell auf St. Pauli, lebte in Indien und Costa Rica und starb 2017 mit 85 Jahren in einer ärmlichen Hartz-IV-Wohnung in Hamburg Rissen. Im berühmten Salon seines Bordells trafen sich in den Siebzigern Prostituierte, Maler, Kleinkriminelle, Musiker und Literaten wie Heino Jaeger, Wolf Wondratschek, Peter Rühmkorf und Fritz Raddatz. Zwischen 1969 und 1977 führte der Hamburger Autor Hubert Fichte Interviews mit Wolli über Gott und die Welt, Drogen und Sex, Marxismus und Weihnachtsgeld, Gewalt und Nashörner. Fichte erhob das Interview zu einer eigenen ästhetischen Kategorie, lieferte tiefe Einblicke in das Leben der Menschen im Rotlichtmilieu, gänzlich ohne Voyeurismus und moralische Wertung, vollkommen unverstellt, manchmal schockierend und immer wieder hochkomisch.

Rocko Schamoni war Wollis Begleiter in seinen letzten Lebensmonaten und konnte nach dessen Ableben einen Großteil seines künstlerischen Nachlasses vor der Vernichtung bewahren.

Foto: Kerstin Behrendt

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