Aus dem Leben

Ein Projekt von Brigitte Venator und Karin Beier
basierend auf Interviews mit Sterbebegleiter*innen, Palliativpfleger*innen, Suizidwilligen und ihren Angehörigen

Uraufführung 15/12/2021

MalerSaal

Dauer: ca. Zwei Stunden. Fünfzehn Minuten. Keine Pause.

Termine

17/
09/Sa MalerSaal

„Der freiwilligste Tod ist der schönste. Das Leben hängt vom Willen der anderen ab – der Tod von unserem“, sagt der französische Philosoph und Essayist Michel de Montaigne. Der einflussreiche Philosoph des 16. Jahrhunderts stellt die Autonomie des Menschen auch im Angesicht des Todes in den Vordergrund seiner Reflexionen. Und eben diese Frage, ob die Freiheit des Menschen auch die Freiheit zum Tod umfasst, ist im 21. Jahrhundert wieder hochaktuell. In dem Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmung versus Schutz des Lebens verläuft die Debatte um die Sterbehilfe in Deutschland, nachdem das Bundesverfassungsgericht im Februar 2020 das geltende Verbot der „geschäftsmäßigen“ Suizidhilfe für nichtig erklärt hat. Das Gericht musste sich mit der Frage auseinandersetzen, ob der Staat dem sterbewilligen Menschen Hindernisse in den Weg legen darf, weil es um das höchste Gut unseres Wertesystems geht – um das Leben. Oder muss er im Gegenteil die Patient*innen bei ihrem Schritt im Sinne des freien Willens unterstützen?

Wir haben den Tod und das Sterben weitgehend aus unserem Alltag verdrängt. Die Bedürfnisse des modernen Menschen sind auf Jugendlichkeit, Gesundheit und Leistungsfähigkeit ausgerichtet. Der Tod hat darin keinen Platz. Diese aktuelle Debatte führt uns nun vor, dass wir uns dringend mit den Themen Tod, Sterben, Trauer auseinandersetzen sollten: Für eine Gesellschaft, die auf diesem Weg vielleicht auch neue Einsichten über sich selbst gewinnt. In diesem Theaterprojekt kommen Menschen zu Wort, für die die Themen Sterben und Tod Teil ihres Alltags sind. Sie haben sich aus beruflichen oder privaten Gründen entschlossen, sterbenskranke Menschen als Palliativpfleger* innen oder Sterbebegleiter*innen auf ihrem letzten Weg beizustehen. Wir haben Angehörige interviewt, die sich damit auseinandersetzen mussten, dass Familienmitglieder die sogenannte Exit-Strategie wählten und mit Hilfe von Sterbehilfeorganisationen aus dem Leben schieden. Menschen, die unheilbar krank sind, erzählen von ihrem persönlichen und juristischen Kampf um das Recht, den Zeitpunkt ihres Todes selbst bestimmen zu können. Sie fordern, dass es möglich sein muss, den tödlichen Cocktail auch als Privatperson legal auf Rezept zu erhalten, um diesen zuhause ohne Beisein eines Arztes oder Mitwirkung einer Institution zu sich nehmen zu können.

Basierend auf diesen Interviews erzählen Schauspieler*innen diese sehr persönlichen und individuellen Geschichten über Sterben, Trauer und Abschied.


Fotos: Thomas Aurin

Es spielen: Lina Beckmann, Markus John, Carlo Ljubek, Maximilian Scheidt, Julia Wieninger Trompete: Philipp Kacza, Dirk Lenschat, Benni Stanko, Hans Christian Stephan Schlagzeug: Jens Carstens, Marco Möller Tuba: Sebastian Hoffmann, Felix Konrad Posaune: Sebastian John, Rainer Sell

Regie und Fassung: Karin Beier Interviews geführt von: Brigitte Venator Interviews bearbeitet von: Julian Pörksen Bühne: Amber Vandenhoeck Kostüme: Wicke Naujoks Musik: Jörg Gollasch Choreograf: Valentí Rocamora i Torà Licht: Björn Salzer Dramaturgie: Beate Heine

Pressestimmen

NDR 90,3 Kulturjournal

„Wie erzählt man vom Sterben oder genauer: vom Sterben-Wollen? [...] Man macht es am besten so: indem das Theater sich tief verbeugt vor der Wirklichkeit. Das alles tut weh beim Zuschauen, denn die Texte stammen von realen Menschen, Sterbenden, Sterbebegleitern und Angehörigen [...] Das fünfköpfige Ensemble leiht ihnen Körper und Stimme. So entsteht ein feines Gewebe zwischen Dasein und Nicht-mehr-Sein, an der Schwelle: Die Schauspieler und Schauspielerinnen spielen so dicht, lassen so tief blicken, füllen die Sprache von innen aus, dass diese echten Texte zu atmen beginnen.“

Hamburger Abendblatt

„Im Grunde geht es zu wie auf einer guten Beerdigung: sehr traurig, anrührend, verlegen, aber doch auch schräg und unwirklich und, ja, bisweilen eben auch zum Lachen. Das alles gelingt, ohne pietätlos oder makaber zu sein. Karin Beier, Brigitte Venator, die die Interviews führte, Julian Pörksen, der das Material für die Bühne bearbeitet hat, und einem spürbar empathischen Ensemble glückt ein Abend über Krankheit und Tod, der eine gewaltige Zuneigung zum Leben und zu den Menschen vermittelt.“

nachtkritik.de

„Julia Wieninger und Lina Beckmann, Markus John, Maximilian Scheidt und Carlo Ljubek übernehmen darin nun die durchweg sehr eindrucksvollen Erzählungen und Berichte von und über Menschen, die selber im Begriff sind, "aus dem Leben" zu gehen; oder bereit sind, dabei behilflich zu sein. […] Aber dann kommt halt die Kapelle herein mit dem weißen Sarg, und da tanzen die Traum-Gestalten mit den Totenmasken. […] Viva la Muerte!“

Hamburger Morgenpost

„Grundlage des Textes sind Interviews mit Sterbebegleitern und Sterbehelfern, Hospizpflegerinnen, Todkranken mit Suizidabsichten und Hinterbliebenen. Im Malersaal werden ihre Texte von fünf Darsteller:innen gesprochen, und dafür schickt Regisseurin Karin Beier ihr A-Team auf die Bühne – Lina Beckmann, Julia Wieninger, Carlo Ljubek, Markus John und Maximilian Scheidt. In der Inszenierung gibt es viele berührende Momente und einige Denkanstöße […].“

taz

„Künstlerisch so schlicht wie überzeugend gehen in Hamburg Regisseurin Karin Beier und die Journalistin Brigitte Venator ans Werk. […] Beeindruckend ist die uneitle Kunst der Menschendarstellung bis hinein in Momente, wo die Stimmen brechen, Tränen nicht mehr zurückzuhalten sind oder mit betont sachlichem Tonfall gegen tobende Gefühle angekämpft wird. […] Ein erhellend informativer und dank des einfühlsamen Spiels eindrücklicher Abend. So geht Enttabuisierung.“

Tageszeitungen des sh:z

„Lebensfreude im Angesicht des Todes, der Tod – ein Teil des Lebens. Ovationen für diesen klugen, berührenden und mutigen Abend.“

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