Unterwerfung

von Michel Houellebecq
In der Übersetzung von Norma Cassau und Bernd Wilczek in einer Fassung von Karin Beier und Rita Thiele
FAQ-Room 6
/ Repertoire

Uraufführung 06/02/2016

SchauSpielHaus

Dauer: Zwei Stunden, 40 Minuten, eine Pause

Termine

12/
04/Fr SchauSpielHaus / Zum letzten Mal in dieser Spielzeit

Am 8. Januar 2015 erklärt der französische Premierminister Manuel Valls: „Frankreich, das ist nicht ‚Die Unterwerfung‘, das ist nicht Michel Houellebecq! “Die Gründe, warum Houellebecqs jüngster Roman so irritiert, liegen auf der Hand: Houellebecq erzählt vom plötzlichen Verenden der französischen Kultur und Tradition wie wir sie kennen – und das in naher Zukunft.

Paris im Jahre 2022: Straßenschlachten zwischen Extremisten heizen das politische Klima auf. Der Front National hat gewaltigen Zulauf. Um zu verhindern, dass er als stärkste Partei den Präsidenten stellt, koalieren die liberalen bürgerlichen Parteien mit einer gemäßigt islamischen Partei. Der Plan geht auf: In den Élysée-Palast zieht Frankreichs erster muslimischer Präsident ein. Was diese durchaus realistische Zukunftsprognose Houellebecqs erst zum Skandalon macht, ist, wie sich binnen weniger Monate das öffentliche Leben ohne jeden Widerstand wandelt. Die islamische Bruderschaft, die Frankreich wie eine bankrottgegangene Firma übernimmt, errichtet kein totalitäres Regime wie bei Huxley oder Orwell. Machtübernahme und Wandel vollziehen sich vollkommen unspektakulär, demokratisch und legal. Schulen und Hochschulen werden muslimisiert, die Frauen verschwinden aus der öffentlichen Arbeit, Bekleidungsvorschriften und Polygamie werden eingeführt. Und die Bevölkerung nimmt die islamischen Gebote und Verbote genauso hin, wie sie bisher Quotenregelungen, Steuererhöhungen, Mülltrennungsgebote oder die Privatisierung öffentlicher Dienste akzeptiert hat.

„Mein Roman ist zutiefst zwiespältig, man kann ihn wie eine verzweifelte oder wie eine hoffnungsvolle Geschichte lesen“. Houellebecqs boshafter Polit-Thriller richtet sich nicht gegen den Islam, sondern beschreibt den Kollaps der Kultur des Westens. Dieser Zusammenbruch ist das Ergebnis des schleichenden Verfalls sämtlicher kollektiver Bindungen, angeleitet von einem Bild der Welt, das von der Idee des Ichs beherrscht wird und so direkt ins ökonomische, soziale und moralische Desaster, führt.

Fotos © Klaus Lefebvre

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Ein Monolog mit Edgar Selge

Regie: Karin Beier Bühne: Olaf Altmann Kostüm: Hannah Petersen Musik: Daniel Regenberg Licht: Rebekka Dahnke Dramaturgie: Rita Thiele

Pressestimmen

Neue Zürcher Zeitung

„Der regieführenden Intendantin Karin Beier gelingt zusammen mit Schauspieler Edgar Selge das Kunststück, François auf die Bühne zu holen, ohne mit einer szenischen Lesung zu langweilen oder die Intelligenz der Vorlage mit theatralen Mitteln zu überfrachten.“

Hamburger Abendblatt

„Dieser Abend heißt Edgar Selge. Großartig, bewundernswert, mitreißend, was der Schauspieler da in zweieinhalb Stunden Soloperformance in „Unterwerfung“ am Schauspielhaus zeigt. Eine Sternstunde des Theaters. Das Publikum riss es am Schluss des Premierenabends von den Stühlen. Selge und Regisseurin Karin Beier bekamen minutenlangen, tosenden Beifall. Standing ovations für eine überzeugende Inszenierung, einen herausragenden Theaterabend.“

Deutschlandfunk

„Den Wahlkampf in Frankreich, die bürgerkriegsähnlichen Zustände in Paris, den Teufelspakt von Sozialisten, Konservativen und der Zentrumspartei mit der islamischen Muslimbrüderschaft verdichten Regisseurin Karin Beier und ihre Dramaturgin Rita Thiele wie zu einem Krimi. Kleine Ortswechsel in der beweglichen Kreuzes-Kiste, ein vielschichtiger, kluger Soundtrack und die effektive Lichtregie unterstreichen eine hörbuchartige Erzählung, deren schiere zu bewältigende Textmasse schon Bewunderung abringt. Ein feinsinniger, mit charakterlichen Nuancen spielender Erzähler produziert hier Kopfkino voller verstörender Bilder.“

Süddeutsche Zeitung

„Es sind nur solche subtile symbolische Eingriffe, mit denen Beier und Selge das Unbequeme dieses Romans andeuten: die schwarze Leere der Bühne, die eingeklemmte Unfreiheit im Drehkreuz. Der in seinen wesentlichen Bestandteilen vorgetragene Roman wird weder durch Fremdprosa noch durch Videos oder andere zeitgenössische Kommentarformen unterbrochen. Haltung muss alleine Edgar Selge liefern. Und der liefert. Durch das feine Changieren zwischen den Rollen des Autors, seiner Figur und des Darstellers erspielt sich Edgar Selge genau die ironische Distanz, die es braucht, um Houellebecqs im Kern unrealistische Konstruktion vom Untergang des Abendlandes als Komödie zu sehen.“

stern.de

„Selge schafft es, das Schauspielhaus an diesem Abend zum kulturellen Mittelpunkt Europas werden zu lassen. Ein Schauspieler, vor dem man sich tief verneigen möchte – kommt man je wieder aus dem Klatschen heraus.“

Der Spiegel

„In der Bühnenversion des Hamburger Schauspielhauses ist die »Unterwerfung« eine Sensation, wie sie im deutschsprachigen Theater nur selten vorkommt.“

ARD tagesthemen

„Ein fesselndes Schauspiel-Solo über alle Abgründe hinweg. So zeigt Karin Beiers Inszenierung den brisanten Stoff.“

FAZ

„Imponierende Leistung eines großen Schauspielers.“

Die ZEIT

„Der grandiose Edgar Selge nun ist glücklich mit seiner Aufgabe, François, dieses Pantoffelwesen, zum Leben zu erwecken. Er wirft ihn uns nicht zu Füßen. Er schleudert ihn uns triumphal entgegen.“

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