Das Goldene Vlies

Der Gastfreund / Die Argonauten / Medea
von Franz Grillparzer

10. May 2014

SchauSpielHaus

Dauer: Zwei Stunden und 35 Minuten, eine Pause

Das Goldene Vlies ist – ähnlich wie das Nibelungengold oder der Gral des Mittelalters – ein Symbol: ein goldenes Widderfell, das in der Antike für Macht, Reichtum, gottgegebenes Herrschaftscharisma steht. Die Herkunft des Vlieses lässt Grillparzer in seiner Trilogie absichtsvoll im Dunklen. Im ersten Teil, » Der Gastfreund« bringt es Phryxus, der aus seiner griechischen Heimat fliehen muss, nach Kolchis ans Schwarze Meer. Aietes, der König der Kolcher, bemächtigt sich des Goldenen Vlieses, indem er den Griechen, der ihn um Schutz und Asyl bittet, in einen heimtückischen Hinterhalt lockt, ermordet und beraubt. Aietes Tochter Medea ist entsetzt, sie fürchtet den Fluch dieser bösen Tat. Und tatsächlich erscheinen einige Zeit später Landsleute von Phryxus in Kolchis, die Argonauten. Unter Jasons Führung wollen sie den Mord rächen und das wertvolle Goldene Vlies zurückerobern. Jason begegnet Medea, sie verlieben sich ineinander; beide flüchten mit dem Vlies nach Griechenland. Der letzte Teil der Trilogie erzählt vom grausamen Ende dieser Liebe; seit Euripides ist die Geschichte weltberühmt: Jahrelang irren Jason und Medea durch Hellas, immer wieder werden sie vertrieben, weil die Griechen ihre Verbindung nicht akzeptieren. Schließlich bitten sie bei Kreon, dem König von Korinth, um Asyl. Kreon will Jason mit seiner Tochter Kreusa verheiraten und Medea das Goldene Vlies entwenden. Als sich Jason auf diesen Vorschlag einlässt, löst er die Katastrophe aus.

Grillparzers Trilogie ist eine psychologisch hellsichtige Studie über die Brüchigkeit unserer Selbstbilder und Wahrnehmungen des anderen, die in verhängnisvoller Gewalt kulminieren.

Ausgezeichnet mit DER FAUST 2009

Fotos © Klaus Lefebvre

Es spielen: Carlo Ljubek, Angelika Richter, Maria Schrader, Manfred Zapatka Cello: Sue Schlotte

Regie: Karin Beier Bühne: Jens Kilian Kostüme: Johann Pfau Musik: Wolfgang Siuda Choreographie: Valenti Rocamora i Tora Licht: Johan Delaere Dramaturgie: Rita Thiele

Critics

Hamburger Abendblatt

„Aus Grillparzers Vorlage macht Karin Beier ein aktuelles Stück mit psychologischer Tiefe, in dem auch die Sprachkraft des 1872 gestorbenen österreichischen Nationaldichters gewahrt bleibt. Die vier Schauspieler meistern ihre insgesamt sieben Rollen mit Bravour.“

Hamburger Morgenpost

„Karin Beiers Inszenierung benötigt kein aufgerüschtes Technik-Klimbim. Die Gesten und Worte der vier überragenden Schauspieler, zwei echte Kinder, großformatige Gesichtsmasken und effektvoll eingesetztes Cello-Spiel: »Das Goldene Vlies« ist ein Stück beeindruckender Bühnenkunst.“

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