von Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Premieres 23/04/2021

SchauSpielHaus

In seinem letzten Werk, das Familien-, Kriminal- und Justizroman zugleich ist, erzählt Fjodor M. Dostojewski die Geschehnisse um die Ermordung des Scheusals Fjodor Karamasow und die Ermittlungen gegen seine Söhne Dimitrji, Iwan und Aljoscha. Diese „Geschichte einer Familie“, wie das erste Buch im Roman heißt, legt die familiären und zwischenmenschlichen Abgründe der Figuren und das poröse Gerippe einer überholten Gesellschaft in der Mitte des 19. Jahrhunderts frei. In einer Zeit, in der Religiosität und aufkeimender Liberalismus aufeinanderprallen, Gott in Frage gestellt und die Seele für kausal begreifbar erklärt wird, werden die Gewissheiten des Daseins der „alten Menschen“ pulverisiert. Im Prozess um den Mordfall Karamasow steht somit symbolisch auch eine ganze Epoche vor Gericht und nahezu zwangsläufig endet das Verfahren in einem Justizirrtum. Für fast alle Beteiligten führt die Geschichte in die Katastrophe, da sie sich als unfähig erweisen, das Alte hinter sich zu lassen und so an der notwendigen „Neuwerdung des Menschen“ zugrunde gehen. Die im Roman aufgestellte, berühmt gewordene These, „Wenn Gott tot ist, ist alles erlaubt“, traf die damalige Leserschaft mit solcher Härte, dass es, ähnlich wie bei Goethes »Werther«, zu einer wahren Selbstmordwelle kam.
Auch 140 Jahre nach Erscheinen des Romans scheinen geltendes Recht und Rechtsgefühl vermehrt auseinander zu driften. Die Menschheit bedürfte im Angesicht der Klimakatastrophe, gigantischer Fluchtbewegungen, Demokratiekrisen und einer kaum für möglich gehaltenen, weltweiten Pandemie ebenfalls einer radikalen Neuwerdung, der sich große Kräfte entgegenstellen.
Oliver Frljić war Intendant des Kroatischen Nationaltheaters in Rijeka, bis er aus Protest gegen die kroatische Kulturpolitik 2016 seinen Rücktritt erklärte. Seit 2015 inszeniert er in ganz Europa, verstärkt auch im deutschsprachigen Raum. Mit »Die Brüder Karamasow« wird er seine Beschäftigung mit dem Werk Dostojewskis fortsetzen und erstmals am Deutschen SchauSpielHaus inszenieren.



Directed by: Oliver Frljic Dramaturgy: Bastian Lomsché
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