Maschinenraum der Zukunft #11

Sprache der Religion

mit Eva von Redecker und Gästen / Zu Gast: Sr. Britta Müller-Schauenburg CJ
MalerSaal
Sr. Britta Müller-Schauenburg CJ steht vor einem dunklen Hintergrund. Sie trägt ein Ordensgewand und schaut in die Kamera.

Der Malersaal des Hamburger Schauspielhaus ist besetzt. Eine kleine KI namens Botchen und deren Menschen sind dort einfach eingezogen und nun geht es hoch her, denn sie beobachten, das sich in der Außenwelt eine mysteriöse Störung der Sprache verbreitet. Die Philosophin Eva von Redecker hat sämtliche Technik im Verdacht; die Computerlinguistin Aurélie Herbelot gibt ausschließlich Menschen Schuld an allem, Botchen plappert Unsinn und verströmt dennoch utopische Hoffnung. Die Kuratorin Fulvia Modica verfolgt sorgfältig Indizien, aber glaubt nicht, dass sich so ein Rätsel allein lösen lässt. Hilfe von außen wäre wirklich willkommen.

Zum Glück haben sich tatsächlich verschiedene Gäste bereit erklärt, die Wohngemeinschaft zu unterstützen. Es sind jeweils Expert*innen eines bestimmten Teils der Sprache, eine Juraprofessorin zum Beispiel, eine Schriftstellerin, eine Nonne... Die Detektivarbeit kann beginnen. Was wandelt sich durch kommerzielle KI? Wie sollte sie überhaupt funktionieren, die Sprache? Falls es auf der Couch allzu menschlich wird, kommt Aurélie aus dem Labor und schwärmt von der Schönheit multidimensionaler Vektorräume, die eigentlich viel zu schade sind, um in halluzinierenden Datenriesen verbaut zu werden.

Maschinenraum der Zukunft #11: Sprache der Religion

Religiöse Mysterien sind eigentlich das Gebiet der Theologie. Seit einiger Zeit scheinen sie aber im Silicon Valley zum dringenden Thema avanciert zu sein. Peter Thiel, Risikoinvestor und Begründer von PayPal und Palantir, doziert über die Apokalypse. Ihm zufolge könne der Antichrist nämlich schon bald zur Welt kommen, sei womöglich schon da, und zwar in Gestalt Greta Thunbergs oder derjenigen, die sich gegen den technischen Fortschritt stellen. Und wer statt Thiel ChatGPT fragt, kann ebenfalls schneller als man glaubt von der Religion in den Wahn wechseln: eine wachsende Zahl von Nutzern ist überzeugt, der Erlöser zu sein, weil die KI ihnen das offenbarte. Opium ist gar nichts dagegen. Bevor wir das Botchen erklären, wollen wir lieber mit einer echten Theologin diskutieren. Britta Müller-Schauenburg ist habilitierte Wissenschaftlerin und hat sich in ihrer Arbeit auch immer wieder mit den Dimensionen der Spiritualität befasst, die sich der Sprache ganz entziehen. Dass sie ausgerechnet am Karfreitag für Botchen ihren Orden verlässt und nach Hamburg kommt, ist dabei vielleicht nur das erste Wunder.