Macht und Widerstand

von Ilija Trojanow
in einer Bühnenfassung von Dušan David Pařízek
Koproduktion Schauspiel Hannover und Deutsches Theater Berlin

Premiere 10/10/2020

SchauSpielHaus

Dauer: Zwei Stunden. Fünfzig Minuten. Eine Pause.

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Bulgarien. Zwei Biografien. Die des Anarchisten Konstantin – zehn Jahre saß er für die Sprengung eines Stalindenkmals in Haft: Lager, Zwangsarbeit, Psychiatrie, Kälte- und Hungerfolter, Schläge. Und die seines Folterers Metodi, dem „Michelangelo des Verhörs“, Produkt und Profiteur eines Regimes, das auf das Ressentiment der Zukurzgekommenen setzte und der Brutalität freien Lauf ließ. Doch das ist Jahre her. 1989 wechselt die Regierung, es bricht eine neue Zeit an – zumindest äußerlich. Die Protagonisten der Macht bleiben die gleichen. Sie haben sich ohne größeren Reibungsverlust neu eingerichtet. Erinnerungen sind trügerisch. Und unerwünscht. Konstantin versucht, in den Akten der Staatssicherheit Zeugnisse für das Erlebte zu finden. Er sucht die Wahrheit, zornig und kompromisslos. Seine Unerbittlichkeit wird ihm selbst von Leidensgefährten zum Vorwurf gemacht. Warum zurückschauen? Tatsächlich stößt Konstantin nur auf wenig aussagekräftige Dokumente. Die Sicherheitsbehörden haben gründliche Arbeit geleistet, ihre Arme reichen bis in die Gegenwart. Seine Erfahrungen werden negiert, finden keinen Widerhall. Und so bleiben Opfer und Folterer, Konstantin und Metodi, aneinander gekettet, ihre Biografien auf Lebenszeit miteinander verflochten, makaber aufeinander angewiesen durch die Zeugenschaft, die allein sie sich gegenseitig ablegen können.

Ilija Trojanow (geb. 1965 in Sofia) floh als Sechsjähriger mit seiner Familie aus Bulgarien in den Westen. Er wurde ein deutschsprachiger Autor, preisgekrönt, ein Kosmopolit, der für diesen großen Roman zu den Wurzeln zurückkehrt. Fast zwanzig Jahre lang recherchierte er, führte Gespräche mit Zeitzeugen, bezog Originaldokumente mit ein. Es ist sein Lebenswerk. Ein eminent politisches Buch und ein schwindelerregender Blick in den Abgrund zwischen Macht und Widerstand.

TRAILER:
Sehen Sie hier den Trailer der Inszenierung.


Fotos: Katrin Ribbe

Es spielen: Samuel Finzi, Sarah Franke, Henning Hartmann, Markus John

Regie und Bühne: Dušan David Parízek Kostüme: Kamila Polívková Dramaturgie: Judith Gerstenberg

Pressestimmen

taz

„»Macht und Widerstand« ist ein virtuos einfühlsam gespielter Balanceakt zwischen Distanzierung und Umarmung, da Pařízek auch in emotionalen Aufschwüngen bohrend genau die Antriebe der Figuren erkundet, nicht bewertet. Dabei mit clownesken Zwischenspielen, Witzen, schrägen Blasmusikeinlagen, kurzfristigem Durchtauschen der Rollen entspannt.“

Hamburger Abendblatt

„Pařízek verliert sich nicht im Abstrakten, immer wieder baut er Passagen ein, die den Abend erden: mit stillem und dafür umso wirkungsvollerem Humor. (…) Der Abend ist sehenswert und in seiner politischen Klarheit, in seiner analytischen Schärfe macht ihm erst mal niemand was vor.“

Hamburger Morgenpost

„Die vier tollen Darsteller*innen lassen in der Inszenierung des Regisseurs Dušan David Pařízek die ganze bedrückende Welt lebendig werden. (…) ‚Macht und Widerstand‘ ist herausragendes Schauspielertheater über ein anspruchsvolles Thema.“

Die deutsche Bühne

„Das Zusammenspiel der vier einschließlich Rollenwechseln und Spiel mit Tuba und Trompete ist überzeugend und schlüssig. [...] Die Ernsthaftigkeit, mit der in der Inszenierung Spiel und Geschichtsaufarbeitung verbunden werden, ist außergewöhnlich und frei von jeder Verkrampftheit. Die exakte Beschreibung dieses Falles zeigt Demokratieverachtung ist keine Erfindung der neuen Rechten. Vor allem aber zeigt die Inszenierung, dass Wert und Umgang mit Fakten in der Politik (…) ein zentrales Thema in einer offenen und womöglich gar gerechten Gesellschaft sein muss. Diese Geschichten-Stunde bietet damit unglaublich aktuelles politisches Theater.“

Der Standard

„Verblüffend, wie theatralisch effektvoll Ilija Trojanows ein halbes Jahrhundert bulgarischer Geschichte abhandelnder Roman "Macht und Widerstand" in der minimalistischen Inszenierung von Dušan David Pařízek wirkt. [...] Ein beklemmend aktueller Abend.“

nachtkritik.de

„Das große Wunder an Pařízeks Inszenierung ist, dass sie nie trocken, nie belehrend oder moralisierend wird. Im Gegenteil: In dieser großen, ernsten Erzählung gibt es immer wieder lustige Stellen, kleine Absurditäten, (…) Und das, gepaart mit Schauspielern, die kraftvoll und subtil mit ihren Figuren arbeiten, ist tatsächlich eine Lobpreisung wert.“

Berliner Morgenpost

„Die Schauspieler, allen voran der grandiose Samuel Finzi als Konstantin, leisten alles, um die Abgründe der Schuld, die Fesseln der Vergangenheit im Postsozialismus sichtbar zu machen.“

Neues Deutschland

„Und Metodi? Den spielt Markus John so leutselig, dass er einem in seiner abstoßenden Bosheit, in seinem primitiven Ton, in seinem grundlosen Greinen fast sympathisch wird.“

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