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Im Keller der Metaphysik #8

Idiotie der Gegenwart / Benjamin Sprick im Gespräch mit Joseph Vogl / Special Guest: Michail Paweletz
MalerSaal
Joseph Vogl / Philipp Blum
Schwarz-Weiß-Foto. Benjamin Sprick steht vor einem neutralen Hintergrund. Er trägt ein dunkles Hemd und schaut in die Kamera. Er schmunzelt leicht.
Michail Paweletz steht vor einer weißen Wand. Er trägt ein schwarzes T-Shirt, darüber ein dunkles Sakko und eine helle, runde Brille. Er lächelt und schaut in die Kamera.
Konzertsituation: Niklas sitzt in einem schwarzen T-Shirt auf einem Stuhl und hält ein Cello in der Hand. Er schaut leicht nach oben und hat den Bogen in der Hand. Von hinten scheint Gegen licht in die Kamera.
Schwarz-Weiß_Foto. Stephan Krause-Bantzer steht vor einem weißen Hintergrund im Profil. Er trägt ein schwarzes Hemd und eine dunkle Brille. Er hält zwei metallene lange Federn in beiden Händen und hält sie vor sein Gesicht.
Porträt. Der Schauspieler Daniel Hoevels steht vor einem grauen Hintergrund. Er trägt eine schwarze Jacke und ein schwarzes T-Shirt. Er trägt kurze, mittelbraune Haare und schaut in die Kamera.

Eine politische Diagnostik der Gegenwart hat es zurzeit nicht gerade leicht. Obwohl sich die Krisen eines algorithmisierten Kapitalismus kontinuierlich ausweiten, mangelt es dennoch an Theorien darüber, wie sich ihre Entwicklung systematisch fassen lässt. »Wir haben es mit dem Problem der Begriffsschöpfung zu tun« so der Literatur- und Kulturwissenschaftler Joseph Vogl bei seinem letzten Aufenthalt im »Keller der Metaphysik« im März letzten Jahres, »weil Begriffe für das, was sich gerade ereignet noch gar nicht richtig vorhanden sind.«

Grund genug die gemeinsame Recherche fortzusetzen und nach neuen Rahmenbedingungen für eine politische Analyse aktueller Ereignisse zu suchen. Eine »Idiotie der Gegenwart« vermeidet – so die kellermetaphysische Hypothese – angeregt von literarischen Motiven, vorschnelle Urteilsbildungen, um mehr oder weniger meinungslos im Zwischenraum von »wahr« und »falsch« zu vagabundieren. Damit umgeht sie den gelegentlich etwas trägen akademischen Diskurs und passt sich den Inhalten an, von denen sie handelt. Sie versucht, aus den provisorischen Verbindungen von Literatur, Ästhetik und Politik ihre analytische Kraft zu ziehen.

Joseph Vogl war Professor für Literatur- und Kulturwissenschaft / Medien am Institut für deutsche Literatur der Humboldt-Universität zu Berlin (2006–2023) und ist regulärer Gastprofessor an der Princeton University (seit 2007). Er lehrte und forschte darüber hinaus an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Maison des sciences de l’homme (Paris), UC Berkeley, IU Bloomington, IFK (Wien), IKKM (Weimar). Für seine Arbeiten erhielt er diverse Auszeichnungen und Preise, zuletzt den Günther-Anders-Preis für kritisches Denken (2022). Vogls Forschung und Lehre umfasst die Literaturgeschichte vom 18. bis zum 20. Jahrhundert, Medien- und Kulturwissenschaft. Jüngere Forschungsschwerpunkte betreffen die Geschichte der Finanzökonomie, das Verhältnis von Literatur und Ökonomie und »Poetologien des Wissens« – die Untersuchung der Beziehungen zwischen Wissensformen und poetischen bzw. ästhetischen Gestaltungen. Zu den wichtigsten Buchpublikationen Vogls gehören »Kalkül und Leidenschaft. Poetik des ökonomischen Menschen« (2002), »Über das Zaudern« (2007), »Das Gespenst des Kapitals« (2010), sowie »Kapital und Ressentiment. Eine kurze Theorie der Gegenwart« (2021), das eine breitere öffentliche Debatte auslöste.

Michail Paweletz ist ein vielseitiger Vorleser, Sprecher und Moderator, der u.a. bei Lesungen mit Per Olov Enquist, Jonathan Franzen, Kenzaburô Ôe, Amos Oz und Salman Rushdie aufgetreten ist. Parallel zu seiner Tätigkeit beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) und bei der »Tagesschau« entwickelt er regelmäßig innovative, von politischen Inhalten geprägte journalistische Formate. Bei der Veranstaltung am 17/02 im »Keller der Metaphysik« liest er Texte von Fjodor Dostojewski, Hannah Arendt und Gustave Flaubert.

Benjamin Sprick unterrichtet angewandte ästhetische Philosophie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg (HfMT) wo er auch als ›Post-Doc‹ im dortigen Graduiertenkolleg ARTILACS (Artistic Intelligence in Latent Creative Spaces) arbeitet und den künstlerisch-wissenschaftlichen Promotionsstudiengang Dr. sc. mus. koordiniert. Er ist zudem ausgebildeter Konzertcellist. Seine künstlerisch-wissenschaftlichen Forschungsschwerpunkte betreffen eine »Kritik der instrumentalen Vernunft« ebenso wie die politische Kinetik eines sich zunehmend als autoritär erweisenden algorithmischen Kapitalismus.

Die Band SNB wurde im März 2025 im Deutschen Schauspielhaus Hamburg gegründet und widmet sich seitdem der Pflege eines rocklastigen Repertoires mit cellistischen ›Obertönen‹.

Im »Keller der Metaphysik« wird jetzt auch im Radio gestreamt: immer am ersten Donnerstag im Monat auf FSK 90,3.