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alphabet

Aus dem Dänischen von Hanns Grössel

von Inger Christensen
Regie: Thom Luz
Uraufführung am 06/03/2026
SchauSpielHaus
1 Stunde
40 Minuten
Keine Pause
Bühnensituation: Das Bühnenbild besteht aus hohen weißen Wänden auf denen grüne überlappende Kreise aufgemalt sind. Die mittlere Wand hat eine große rechteckige Öffnung, dahinter ist es schwarz. Ilse Ritter sitzt mit dem Rücken zum Publikum links an einem Klavier. Mittig steht Alberta von Polnitz auf einer Leiter. Rechts sitzt Julia Wieninger auf einem Stuhl. Alle drei tragen grün-blaue Bademäntel. Mehrere Stühle sind auf der Bühne verteilt. Rechts ein Holzschrank sowie ein Tonbandgerät auf einem Tisch.
Julia Wieninger steht mit einem geblümten Filzmantel vor einer roten Tür. Vor ihr stehen drei schwarze Stühle mit Lehne, ein Tisch. Im Hintergrund ein Servierwagen mit Tellern und Tassen.
Bühnensituation: Ilse Ritter steht in einem grün-blauen Bademantel auf der Bühne und lächelt. Links von ihr ein Klavier aus Holz. Rechts von ihr eine Leiter und mehrere Stühle. Im Hintergrund eine hohe weiße Wand mit aufgemalten grünen Kreisen. Die Wand hat eine große rechteckige Öffnung. In der Öffnung ist es dunkel, ein Mann in einem schwarzen Anzug auf einer Leiter ist zu sehen, der zu ihr Ilse Ritter schaut. Die schwarze Wand hinter ihm ist mit verwischter Kreide bemalt.
Bühnensituation: Über das Bühnenbild erstreckt sich ein Metallgestell, welches so angeordnet ist, dass sich regalartige Fächer bilden. In den oberen Fächern sind mehrere Tonbandgeräte zu sehen. Etwas weiter unten knien verteilt drei Männer in einzelnen Regalfächern.  Alberta von Polnitz und Julia Wieninger liegen jeweils links und rechts in Fächern, Ilse Ritter sitzt auf einem Stuhl in einer Stuhlreihe.
Bühnensituation: Ilse Ritter sitzt auf einem Stuhl. Neben ihr in einer Reihe weitere Stühle. Im Hintergrund steht ein großes Metallgestell, an dem Alberta von Polnitz mit dem Rücken zu ihr steht. Rechts steht eine Leiter, es sind zwei Schuhe und blaue Hosenbeine zu sehen.
Bühnensituation: Ilse Ritter, Alberta von Polnitz und Julia Wieninger sitzen an drei kleinen Tischen darauf. Mit ihnen am Tisch jeweils ein Mann in weißem Hemd und schwarzer Weste. Die Männer haben weiße Laken über den Kopf gestülpt und halten synchron etwas in ihren Händen. Im Hintergrund ist eine große Wandmalerei von einer Berglandschaft mit Tannen zu sehen.
Bühnensituation: Eine schwarze Wand, auf die quer durcheinander Textstücke und Wörter projiziert werden. Rechts unten im Bild steht Julia Wieninger, ihre Hände sind erhoben, ihr Mund ist geöffnet.
Bühnensituation: Ilse Ritter sitzt auf einem Stuhl. Im Hintergrund zwei hohe weiße Wände mit aufgemalten grünen Kreisen. Eine Wand hat eine große rechteckige Öffnung. Aus der Öffnung gucken Alberta von Polnitz und Julia Wieninger heraus. Hinter ihnen ein Mann im schwarzen Anzug auf einer Leiter, dahinter verwischte Kreidespuren an der Wand.
Bühnensituation: Ilse Ritter sitzt an einem Tisch mit einer weißen Tischdecke und einem weißen Becher darauf. Sie trägt eine große Sonnenbrille. Neben ihr Alberta von Polnitz an einem weiteren, identischen Tisch. Im Hintergrund ist eine große Wandmalerei von einer Berglandschaft mit Tannen zu sehen. Inmitten befindet sich eine rote Tür, aus der drei Männer mit schwarzen Hosen, weißen Hemden, schwarzer Weste und Fliege herauskommen, sie schauen zu Ilse Ritter.
Bühnensituation: Julia Wieninger steht im Vordergrund und schaut zur Seite, die Hände erhoben. Hinter ihr drei Tische mit weißen Tischdecken und weißen Bechern darauf. Alberta von Polnitz sitzt an dem mittleren. Über ihnen eine schwarze Leinwand, auf die weißer Worte untereinander projiziert werden: fische, fischreiher, flug der gedanken aus dem körper, flüstern, frauen, friede, gehirn, geiseln, gewehre …
Bühnensituation: Alberta von Polnitz steht in einem gemusterten orangefarbenen Kleid mit schwarzer Weste auf der Bühne und schaut geradeaus. Links und rechts von ihr werden auf eine schwarze Wand untereinander weiße Worte projiziert: halbmond, halbschatten, halbseide, halbwertszeiten ….

Ein Nullpunkt. Eine Krise. Ein Selbstverlust in der Unlesbarkeit der Welt. Aus tiefster Verunsicherung – als Rettungsakt – entstand eine der bedeutendsten Dichtungen des 20. Jahrhunderts: »alphabet« der dänischen Lyrikerin Inger Christensen.

Wie „jemand, der nach einem erkenntniskritischen Unfall das Sprechen mühsam wieder erlernen muss“ (Durs Grünbein) beginnt die Dichterin Worte einzusammeln, ordnet sie lexikalisch und unterwirft sie einer mathematischen Struktur, der Fibonacci-Folge. Es ist jene, mit der sich nahezu alles Wachstum in der Natur beschreiben lässt. Wo zuvor nichts war, lässt Christensen durch die kleine wiederkehrende Formel „gibt es“ Zeile für Zeile die Welt entstehen – vom Aprikosenbaum bis zum Narwal, vom einzelnen chemischen Element bis hin zum Halleyschen Kometen. So breitet sich in unserem Beisein das Dasein aus, tritt in Erscheinung, nimmt sich Raum, weitet sich ins Universum, berührt die Unendlichkeit. Physikalisches und Psychisches geht ineinander über, Zusammenhänge entstehen, verlieren sich. »alphabet« ist ein Hymnus an das Leben im Angesicht des Todes, eine vehemente Existenzbehauptung angesichts der möglichen Auslöschung, derer sich die Menschheit befähigt hat. Es ist nicht nur die poetische Wucht, die diese Lyrikerin auszeichnet, sondern auch ihr wacher Gegenwartssinn.

Der Schweizer Theaterkünstler Thom Luz nimmt sich dieses Jahrhundertgedicht vor, um es erstmals auf einer Theaterbühne in ein von Musik durchdrungenes Klangbild zu verwandeln – verspielt und traurig, flüchtig, voll von leisem Humor, mit magisch schönen Theaterbildern und drei herausragenden Schauspielerinnen aus drei Generationen.

Pressestimmen

Deutschlandfunk

„Wer eine Ahnung vermitteln will von diesem extrem ungewöhnlichen Theaterabend muss sich darauf einlassen, dass keine der sonst für die Bühne verbindlichen Vereinbarungen hier gilt. Und dennoch ist alles da, was Theater so besonders macht, vielleicht sogar ein bisschen mehr. […] Der kleine Abend fordert in 90 Minuten ziemlich viel vom Publikum, dafür aber stiftet er so viel Fantasie und Verzauberung wie nur sehr, sehr selten im Theater.“
(Michael Laages)

nachtkritik.de

„Es ist ein formstrenger Text. Sperrig und durchlässig. Auf der Theaterbühne ist er ein echtes Brett. Er ist aber auch feine Musik und freche Herausforderung, ist irritierendes Glück, eine verwirrende Zumutung und "Schnee im Juni". Nur manchmal projiziert Thom Luz Ausschnitte daraus auf eine bühnenbreite Gaze, manchmal lässt er welche aus Lautsprechern tönen. Meist aber sprechen die drei sehr präzisen Spielerinnen Alberta von Poelnitz, Ilse Ritter und Julia Wieninger diesen Text. Sie sprechen ihn auf angenehm selbstverständliche Weise und doch mit wunderbar hoher, ruhiger Konzentration – manchmal fast Kontemplation.“

„Umgeben sind die Spielerinnen von drei Musikern: Stefan Krause, Ling Zhang und Peter Conradin Zumthor, der zudem die musikalische Leitung innehat. Deren Instrument ist – neben einem Klavier – die Bühne (von Malte Knipping und Thom Luz) selbst. Mit Percussion-Sticks, mit Besen, mit Klöppeln, mit ihren Fingern und Händen bespielen sie deren Flächen, die dort aufgespannten Membrane, die Tische, Leitern und Regale. Sie klopfen sie ab, bringen sie zum Schwingen, zum Beben. Leise, laut, aufbrausend, zart, wild, manchmal grollend, manchmal ekstatisch. Permanent lässt Luz an diesem Abend Sprache auf Rhythmus treffen und ineinander greifen. Mal bringt er beide in fast meditative Harmonie, mal in konkurrierende Simultanität, mal auch in schroffes Stolpern. Mal lässt er sie gleichberechtigt eins werden, mal einander eilig überholen. Es wirkt, als mache Luz keinen Unterschied zwischen den beiden Genres. Als sei Sprache Rhythmus und Rhythmus Sprache.“
(Katrin Ullmann)

Hamburger Abendblatt

„Thom Luz findet eine eigenwillige Musikalität in diesen streng geformten, nur scheinbar emotionslosen Zeilen. Ilse Ritter, Julia Wieninger und Alberta von Poelnitz, drei herausragende Vertreterinnen unterschiedlicher Schauspiel-Generationen, artikulieren diese Sätze mit großer Präzision, fast andächtig, kontemplativ, sodass auch das Publikum hineingezogen wird in diese Buchstabenwelt.“
(Annette Stiekele)

Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Das alles entscheidende Nichts“

„Mit großer Lust nutzt [die Inszenierung] alle Mittel der Bühnenkunst – und doch dienen sie vor allem dem Widerhall des Textes. Ein Abend, der alle Sinne fordert, ein Abend, der unser Denken verzaubert.“
(Philipp Theisohn)

MOPO

„„Alphabet“: Eine Assoziationsexplosion auf der Theaterbühne“

„Was genau hier geschieht, ist schwer zu beschreiben. Poesie wirkt bei uns allen anders. Klar ist: Wer sich auf diese Assoziationsexplosion einlässt, wird reich belohnt. […] Viel mehr als „nur“ die physische Abbildung der Welt in Worten, erzählt „alphabet“ auch von Krieg, vom Verlassensein, der Verlorenheit im All. […] Was Sprache kann und wie sie unsere Synapsen anregt, zeigt sich in diesem Stück sehr eindrucksvoll. „Alphabet“ wirkt lange nach.“
(Heiko Kammerhoff)

NDR Kultur

„Am Anfang ist das Wort. […] Viele Worte, dann noch viele mehr. […] Sie vermehren sich wie die Zahlen der sogenannten Fibonacci-Folge, wo eine Zahl sich immer aus der Summe aller vorigen ergibt. Eine Reise in die Unendlichkeit“

„Das Schauspielhaus wird zum Schöpfungsort von Wörtern und Begriffen. So hat sich das Regisseur Thom Luz wohl gedacht.“
(Peter Helling)