Zukunft der Demokratie #14
Lukas Bärfuss im Gespräch mit:
Im Frühling dieses Jahres haben die Ungar*innen ihre Regierung in die Wüste geschickt. Sechzehn Jahre Viktor Orbán, beendet mit einer Wahlbeteiligung von fast achtzig Prozent. Das Land befreite sich nicht zum ersten Mal aus einer aussichtslosen Lage. 1956 stellten sich die Menschen in Budapest den sowjetischen Panzern entgegen. 1989 schnitten ungarische Grenzbeamte das erste Loch in den Eisernen Vorhang. Jetzt geht der Kampf zwischen Rechtsstaat und Willkür, zwischen Demokratie und Diktatur in die nächste Runde.
Ungarn ist das politische Laboratorium Europas und der Schriftsteller Péter Nádas ist sein Chronist. 1942 in Budapest geboren, verhinderte bis 1977 die kommunistische Zensur die Publikation seines ersten Romans. Sein »Buch der Erinnerung« von 1991 schrieb sich in die Weltliteratur ein. Es erzählt die innere Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts und trug ihm den Ruf als „Vermesser der europäischen Seelenlandschaften“ ein. Das Publikum in Hamburg kennt und liebt Péter Nádas: 2024 wurde am SchauSpielHaus sein Stück »Der eigene Tod« uraufgeführt. Lukas Bärfuss befragt Péter Nádas über das Jahrhundert, das Schreiben, über Zuversicht und Verzweiflung im Angesicht des Totalitären. Und über die Kraft der Literatur in Zeiten des Irrsinns und der politischen Radikalisierung.