Glaube Liebe Hoffnung
„Ein kleiner Totentanz“ nennt Ödön von Horváth sein Stück und trifft damit nur unzureichend die Wucht dieser Tragödie. Im Zentrum steht Elisabeth, eine junge Frau am Rand der Gesellschaft, die verzweifelt versucht, einer Geldstrafe und dem sozialen Absturz zu entkommen. In ihrer Not ist sie bereit, ihren eigenen Körper zu verkaufen, noch zu Lebzeiten und für wissenschaftliche Zwecke. Doch jeder Versuch führt tiefer in ein Geflecht aus bürokratischer Kälte, sozialer Ausgrenzung und scheinbar harmlosen Regeln, die sich als unerbittlich erweisen. Auch die Hoffnung auf Liebe wird zur Falle.
Horváth zeigt keine großen Verbrechen, sondern wie Menschen an den kleinen Dingen zerbrechen: an Vorschriften, Erwartungen und Gleichgültigkeit. Mit scharfem Blick und bitterem Humor entlarvt er eine Gesellschaft, in der Glaube, Liebe und Hoffnung zu leeren Floskeln geworden sind.
Die Regisseurin Mateja Koležnik bringt Klassiker mit präziser, konzentrierter Handschrift auf die Bühne. Ihre Inszenierungen vertrauen auf die Kraft des Textes und die Genauigkeit der Figuren. In dichten, geschlossenen Räumen macht sie gesellschaftliche Mechanismen sichtbar, ohne sie zu kommentieren. Mit »Glaube Liebe Hoffnung« inszeniert sie zum ersten Mal am SchauSpielHaus Hamburg.