Zur vorherigen Seite

Zukunft der Demokratie #12

Lukas Bärfuss im Gespräch mit:

Mely Kiyak / Demokratie und Haltung
SchauSpielHaus
Mely Kiyak steht vor einem hellen Hintergrund in einem Innenraum. Sie trägt ein schwarzes hochgeschlossenes Oberteil, schulterlange schwarze Haare und schaut in die Kamera.
Lukas Bärfuss / Matthias Horn

Antisemitismus auf der documenta, giftige Politisierung der Berlinale, unversöhnliche Kulturkämpfe in Museen: mit neuer Schärfe stellen sich der Kunst die Fragen nach Freiheit und Verantwortung. Wie behauptet sich die Literatur, wenn Propaganda, Desinformation und Denunziationen die öffentliche Auseinandersetzung dominieren? Kann die Dichtung ihren Raum der Freiheit bewahren? Und wie kann dieser Raum beschützt werden? Oder soll die Literatur im Gegenteil Stellung beziehen, sich ins Gefecht begeben und sich den politischen Widersprüchen aussetzen? Verliert sie damit ihre Unschuld, ihre Schönheit? Welche Rolle kommt den Schreibenden zu, wenn das Publikum eine Positionierung erwartet? Darf die Poesie auf ihren Ambivalenzen beharren, wenn Bomben fallen? Oder ist das Ungefähre bloß eine Flucht aus der Verantwortung? Verträgt sich Ideologie mit Schönheit? Wie kann Sprache trösten? Wie begleitet sie uns durch die Trauer? Kann sie die erhitzten Gemüter kühlen, soll sie die kalten Herzen wärmen? Ermöglicht sie den verschreckten Menschen eine kurze Flucht oder wagt sie den Blick auf die schreckliche Wirklichkeit? 

Wie auch immer die Antwort lautet, für die Schriftstellerin Mely Kiyak ist klar: Ohne die Geschichten, die wir uns erzählen, zeigen oder singen, gäbe es keine Freiheit, keine Menschenrechte, keine Aussicht auf Zukunft.

Weitere Informationen