Zukunft der Demokratie #16
Lukas Bärfuss im Gespräch mit: Meron Mendel und Saba-Nur Cheema / Demokratie und Skandal
Die Demokratie lebt vom Streit. Sie braucht Widerspruch, die offene Rede und den Konflikt. Dazu gehört die Wut über Zustände, die man als ungerecht empfindet. Ohne Empörung gibt es keinen Protest und keine Veränderung.
Doch heute ist Empörung ein Geschäftsmodell. Social Media belohnt den Zorn mit Reichweite. Populistische Parteien bewirtschaften das Ressentiment und gewinnen Wähleranteile. In der medialen Arena zählen Gefühle mehr als Argumente. Die Lager stehen sich unversöhnlich gegenüber. Statt sich auszutauschen und von den unterschiedlichen Ansichten zu lernen, bunkert man sich in seiner Haltung ein und schießt gegen alles, was nicht ins eigene Weltbild passt. Kein Wunder, liegen die Nerven blank, wird das Gegenüber zum Gegner, der Gegner zum Feind.
Saba-Nur Cheema und Meron Mendel schlagen einen Weg vor, um dieser Empörungsfalle zu entgehen. Wir sollen uns in die Debatten einmischen, die Komfortzone verlassen, der Lagerbildungslogik widersetzen und einen kühlen Kopf behalten. Für viele klingt das wie eine unerträgliche Zumutung. Aber ohne den Willen, die anderen Meinungen anzuhören und sie zu respektieren, gibt es keine Demokratie.