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Fabian oder Der Gang vor die Hunde

von Erich Kästner
Regie: Dušan David Pařízek
Premiere am 21/05/2026
SchauSpielHaus
2 Stunden
50 Minuten
inkl. einer Pause
Bühnensituation: Mirco Kreibich mit braunem Anzug mit grüner Krawatte, Sonnenbrille und Zigarette im Mund, seine Arme und ein Bein sind leicht angewinkelt. Im Hintergrund der Schatten einer Person im kniefreien Kleid, die beide Arme erhoben hat, auf einer weißen Wand.
Bühnensituation: Mirco Kreibich mit braunem Anzug mit grüner Krawatte, Sonnenbrille und Zigarette im Mund, seine Arme und ein Bein sind leicht angewinkelt. Im Hintergrund der Schatten einer Person im kniefreien Kleid, die beide Arme erhoben hat, auf einer weißen Wand.
Bühnensituation, die Bühne in der Totalen: Ganz links sitzt Christoph Jöde an einem Klavier. Das links kommt von links und von hinten. Auf einem großen Podest in der Mitte der Bühne steht Mirco Kreibich. Er schaut auf zwei große Wände, auf denen zahlreiche Projektionen von Schlagzeilen abgebildet werden. Ganz rechts auf der Bühne steht ein Holztisch mit einem Stuhl dabei. Über allem ist eine weitere weiße Wand in der Horizontalen.
Bühnensituation: Mirco Kreibich steht auf einem großen Podest. Er trägt einen braunen Anzug und schaut nach rechts. Rechts auf dem Podest steht Henning Hartmann in einer blauen Anzughose, einem weißen Hemd, einer dunkelgrauen Anzugweste und einer weißen Schürze. Er beugt sich nach vorn und hält die Hände ausgestreckt vor der Brust. Im Hintergrund ist eine weiße Wand, auf der die Schatten beider Personen zu sehen sind.
Bühnensituation: Mirco Kreibich steht vor einer großen weißen Wand. Er trägt einen braunen Anzug und hat eine Zigarette im Mund. Die Schachtel der Zigarette steckt er gerade in seine linke Anzugtasche. Er schaut zu Boden. An der weißen Wand ist sein Schatten zu sehen und der Schatten einer großen Hand, die Mircos Schatten wie von hinten im Nacken greifen will.
Bühnensituation: Auf einem großen Podest sitzt Christoph Jöde. Er trägt eine schwarze Anzughose, dunkelrote Lederschuhe, eine Khakifarbene Lederjacke und ein weißes Hemd. Seine Unterarme liegen auf seinen Oberschenkeln, die Hände sind verschränkt. Er schaut nach recht. Dort sitzt Mirco Kreibich in einem dunkelbraunen Anzug, einer braunen Krawatte und braunen Schuhen. Er hat die Arme ebenfalls auf den Knien liegen und hält eine Zigarette in den Händen.
Bühnensituation: Auf einem großen Podest stehen Mirco Kreibich – mit dem Rücken zur Kamera – und ihm gegenüber Christoph Jöde. Mirco hebt die Hände fragend Richtung Christoph. Der hat die Hände in den Hosentaschen und zieht die Schultern hoch. Links neben dem Podest liegt Henning Hartmann auf dem Boden in einem weißen Tanktop und einer kurzen brauen Hose. Er trägt schwarze Boxhandschuhe und sieht zu Mirco. Rechts neben dem Podest liegt Markus John auf dem Boden.
Bühnensituation: Vor einem großen Podest liegt Henning Hartmann in einer kurzen braunen Hose und einem weißen Unterhemd am Boden. An beide Händen trägt er braune Boxhandschuhe. Er windet sich am Boden. Links neben ihm steht Mirco Kreibich in einem braunen Anzug. Er hebt die Hände und geht in die Knie, als würde er tanzen. Hinter beiden steht Christoph Jöde, er ist nur schemenhaft zu erkennen. Im Hintergrund ist eine große weiße Wand, auf der der Schatten von Mirco zu sehen ist.
Bühnensituation: Emma Oberpichler sitzt ganz links im Bild in einem grauen Trenchcoat neben einem hellstrahlenden Overhead-Projektor. Daneben steht ein schwarzes Klavier. Davor ein schwarzer Klavierhocker. Rechts neben dem Klavier steht Henning Hartmann in einer kurzen Hose und darüber einem rosafarbenen Tüllkleid. Er trägt zudem einen Kopfschmuck, schwarze Strumpfhalter und schwarze Schuhe. Er lacht.
Bühnensituation: Christoph Jöde sitzt auf einem großen Podest. Hinter ihm steht Emma Oberpichler in einem rosafarbenen Kleid, einem hellgrünen Morgenmantel und roten Strumpfhosen. Sie lacht und hebt die Hände zum Kopf. Vor Christoph liegt Mirco Kreibich der Länge nach ausgestreckt auf dem Boden. Er hat die Beine überschlagen und hebt einen Arm leicht in Richtung von Christoph.
Bühnensituation: Emma Oberpichler trägt ein rosafarbenes Kleid und ein großes braunes Jackett darüber. Sie hält einen kleinen Strauß Blumen in der Hand. Dicht neben ihr steht Mirco Kreibich in einem braunen Anzug. Er hält sein Gesicht nah an ihre Wange und hebt die Hand, um zu gestikulieren. Hinter ihnen ist eine große weiße Wand, auf denen die Schatten der beiden zu sehen sind.
Bühnensituation: Mirco Kreibich kriecht in einer braunen Anzughose und einem weißen Hemd auf allen Vieren über den Bühnenboden. Seine linke Hand greift an seinen Hals. Vor ihm steht ein brauner Holztisch. Darauf liegt Emma Oberpichler in einem rosafarbenen Kleid, roten Schuhen und einem großen braunen Jackett.
Bühnensituation: Mirco Kreibich trägt eine braune Anzughose und ein weißes Hemd. Er hat die Arme vor der Brust verschränkt. Hinter ihm auf einem schwarzen Tisch liegt Emma Oberpichler. Rechts neben dem Tisch steht Henning Hartmann auf einem Stuhl und hebt die Hände in die Luft, als würde er tanzen. Hinter ihnen ist eine große weiße Wand, auf denen der Schatten von Henning Hartmann zu sehen ist. Außerdem die Schatten von verschiedenen Pflanzen
Bühnensituation: Mirco Kreibich trägt eine braune Anzughose und ein weißes Hemd. Er hängt von unten an einem großen Holztisch und hat sich mit den Füßen am Tisch festgeklemmt. Auf der anderen Seite des Tisches steht Markus John in einem grauen Jackett und gestikuliert scheinbar aufgebracht in Richtung von Mirco. Im Hintergrund ist eine große weiße Wand, auf der die Schatten der beiden zu sehen sind.
Bühnensituation: Links im Bild steht Emma Oberpichler in einem rosafarbenen Kleid und einem dunkelroten Jackett. Rechts neben ihr steht Christoph Jöde in dem gleichen Jackett und hat die Arme vor der Brust verschränkt. Rechts stehen Mirco Kreibich und Markus John. Mirco Kreibich trägt einen brauen Anzug und steht leicht erhöht. Er beugt sich etwas zu Markus John hinab. Markus John trägt ein kurzes beigefarbenes Kleid mit Puffärmeln, verzieht das Gesicht und zieht die Schulter leicht hoch.
Bühnensituation: Emma Oberpichler trägt ein rosafarbenes Kleid mit goldfarbenen Verzierungen. Sie hat die Haare offen und sitzt auf einem großen Holztisch. Neben ihr am Tisch steht Mirco Kreibich und beugt sich zu ihr. Ihre Hände berühren sich und sie haben die Köpfe nah beieinander. Hinter ihnen ist eine große weiße Wand. Dort sind die Schatten der beiden und des Tisches.
Bühnensituation: Auf einem großen Podest sitzt ganz links Markus John. Er trägt einen beigen Morgenmantel. Sein Gesicht ist rot verschmiert. Hinter ihm steht Mirco Kreibich in einem braunen Anzughose und einem weißen Unterhemd. Ganz vorne sitzt Christoph Jöde in einem hellgelben Pullover. Er hat die Augen geschlossen. Er trägt an der rechten Hand einen rosafarbenen Boxhandschuh. Er hat die Beide gespreizt und ist zusammengesackt. Ganz rechts im Bild steht Henning Hartmann in einem beigen Trenchcoat.

Berlin. Weimarer Republik. Ende der 1920er Jahre. Erich Kästner schreibt einen Großstadtroman mit autobiografischen Zügen. Er warnt vor dem Abgrund, dem sich Deutschland und damit Europa nähert. „Heute sind bereits neue, genauer, sehr alte Mächte fanatisch dabei, wieder standardisierte Meinungen zu verbreiten. Noch wissen viele nicht, viele nicht mehr, dass man sich Urteile selber bilden kann und sollte.“ Vordergründig geschieht nichts in diesem Roman, doch hintergründig ist das Drama maximal. Es ist das Drama eines gewöhnlichen Lebens zu einer Zeit der sich ankündigenden Katastrophe.

„Außer einer, mit zweihundertsiebzig Mark im Monat dotierten Anstellung geht nichts verloren. Keine Brieftasche, kein Perlenkollier, kein Gedächtnis, oder was sonst im Anfang von Geschichten verloren geht und im letzten Kapitel, zur allgemeinen Befriedigung, wiedergefunden wird. Es wird nichts wiedergefunden. Es treten wichtige Personen auf und verschwinden vor der Zeit. Es kommen unwichtige Leute daher und kehren mit einer Heftigkeit, die ihnen gar nicht zukommt, immer wieder. Ein junger Mann erschießt sich. Ein anderer junger Mann ertrinkt. Und beide Todesfälle sind äußerlich so wenig gerechtfertigt, beide Herren kommen derartig aus Versehen ums Leben, dass man fragen könnte: Gab es denn keine zwingenderen Anlässe? Warum versagte der Autor ihrem Tod die Notwendigkeit? Man könnte beinahe vermuten, es handle sich um eine Absicht. Die Dummheit dessen, was geschieht, nimmt, vom zunehmenden Tempo des Geschehens angeregt, imposante Ausmaße an. Jeder Tag ist für den, der ihn erlebt, eine Reise im verkehrten Zug ans falsche Ziel. Die Vernunft geht ins Exil. Der verworrene Zustand und der ratlose Mensch bleiben übrig.“ (Erich Kästner)

Erich Kästner stand dabei, als seine Bücher 1933 in Flammen aufgingen. In »Fabian oder Der Gang vor die Hunde« hat er den Humus beschrieben, aus dem solche Ereignisse wachsen konnten.

Extras zur Inszenierung

Interview mit dem Regisseur

Dramaturgin Judith Gerstenberg im Gespräch mit Regisseur Dušan David Pařízek

Bühnensituation: Mirco Kreibich trägt eine braune Anzughose und ein weißes Hemd. Er hat die Arme vor der Brust verschränkt. Hinter ihm auf einem schwarzen Tisch liegt Emma Oberpichler. Rechts neben dem Tisch steht Henning Hartmann auf einem Stuhl und hebt die Hände in die Luft, als würde er tanzen. Hinter ihnen ist eine große weiße Wand, auf denen der Schatten von Henning Hartmann zu sehen ist. Außerdem die Schatten von verschiedenen Pflanzen

Pressestimmen

nachtkritik.de

„Mirco Kreibich verleiht seinem Fabian eine beeindruckend flirrende Variante beobachtender Zurückhaltung. Und zwar sowohl was die körperliche Ausgestaltung als auch was die in herrlicher Leisheit laut kratzende Stimmfärbung angeht. Brüchigkeit, die versucht, die Kontrolle nicht zu verlieren. Über sich nicht. Und auch nicht über das Leben und die Welt.“
(Tim Schomacker)

FAZ

„Mirco Kreibich, der Jakobs mit reichlich Nervosität gepaarte Lebenslust durch enorme Körperwechselspannung und einen fast schon Heinz-Rühmann-artig schabenden Ton transportiert, gerät in dieser „Waffenfabrik für Räuberpistolen“ bald von einer Schieflage in die andere. Job weg, Frau weg, Freund weg.“

„Und hier wird aus dem Stück viel mehr als die obligatorisch-politische Unwetterwarnung. Sichtbar wird hinter all der Zerstreuung ein Mann, dessen Midlifecrisis durch das Kriegserlebnis um eine Dekade nach vorn gerutscht ist. Die Erinnerung daran, wie die Ungewissheit des In-den-Krieg-geworfen-Seins alles, „was vorher war“, auslöscht, egal macht, hat ein Lebensgefühl zur Folge, bei dem man das „dringliche Bedürfnis spürt, überall anwesend zu sein“, während man doch lieber nur „zusehen“, aber nicht mehr, eigentlich nie mehr teilnehmen möchte.“
(Axel Weidemann)

Hamburger Abendblatt

„Nach dem Wechsel vom Thalia Theater ans Schauspielhaus feiert Mirko Kreibich dort seinen ersten Triumph. Das Publikum bejubelt die Kästner-Premiere.“

„Am Ende hängt die Welt in Fetzen. In namenloser Wut zerstört Fabian (Mirko Kreibich) die weißen Quadrate aus Papier, die auf der großen Schauspielhaus-Bühne vorher als Begrenzung der Spielfläche gedient hatten. Fabian hat alles verloren: seine Anstellung als Werbegrafiker in einer Zigarettenfabrik, seine Geliebte, die ihn verlassen hat, um Karriere im Filmgeschäft zu machen, seinen Freund Labude, der sich in einem Bordell erschossen hat. Ein besonders sinnloser Freitod, denn dessen Habilitationsschrift war gar nicht von der Universität abgelehnt worden, ein Assistent des Literaturprofessors hatte gelogen. „Es war ein Scherz“, versucht er sich zu entschuldigen.“

„Die unterschiedlichen Figuren aus Kästners später von den Nazis verbotenem Roman hat Pařízek auf fünf Personen reduziert. Markus John, Henning Hartmann und Emma Oberpichler teilen sich 32 Rollen, eine Mammutaufgabe, für die alle drei blitzschnell von einer Figur in die nächste schlüpfen müssen.“

„Eine Entdeckung ist die junge Emma Oberpichler, die sich im letzten Jahr ihrer Ausbildung an der Berliner Schauspielschule Ernst Busch befindet.“
(Heinrich Oehmsen)

NDR Kultur

„Mit wenigen Mitteln große Geschichte erzählt“

„Es ist faszinierend mit wie wenigen Mitteln Dušan David Pařizek die Geschichte erzählt. Die gezielt gesetzten Schatten der Schauspieler zeichnen sich immer wieder auf den Leinwänden ab und verraten mehr als Worte. Dann wieder dienen die Flächen zur Projektion von Filmschnipseln, Fotos, Texttafeln.“

„Ein eindringlicher, fantasievoller Abend. Am Ende, wenn die Leinwände in Fetzen hängen und die Decke sich herabgesenkt hat: erschütternd.“
(Katja Weise)

Die Welt

„In „Fabian“ im Schauspielhaus passt alles zusammen: Die Szenen, die Pařízek dem Roman entnommen hat. Die Bilder auf den weißen Papierflächen, die immer abstrakt und punktgenau die Handlungsrahmen gemeinsam mit den Gefühlen der Zeitgenossen spiegeln.“

„Dieser „Fabian“ zieht das Publikum in seinen Bann und ist das Stück der Stunde, des Tages, der Wochen und der Monate, vor dem Faschismus, zwischen den Kriegen, oder damit alles ganz anders kommen kann als vor knapp hundert Jahren.“
(Stefan Grund)