Der Geheimagent

von Joseph Conrad / Repertoire

Premiere 23/05/2020

SchauSpielHaus

Termine

23/
05/Sa SchauSpielHaus / Premiere

Ein internationales Gipfeltreffen führender Politiker soll stattfinden. Die Geheimdienste kämpfen gegen terroristische Angriffe überall in Europa, aber sie bekämpfen sich auch untereinander: So erscheint die englische Gesetzgebung einem ausländischen Geheimdienst viel zu liberal. Was tun? Man beauftragt einen Agent Provocateur damit, ein Bombenattentat in London durchzuführen. Im Schock werden die Briten ihre Gesetze verschärfen, so das Kalkül. Was wie eine Vision aus dem 21. Jahrhundert klingt, liegt der Handlung eines Romans zugrunde, den Joseph Conrad 1907 veröffentlicht. »Der Geheimagent« ist Adolf Verloc, der mit seiner Frau Winnie und ihrem geistig behinderten Bruder Stevie einen schmuddeligen Laden im Londoner Stadtteil Soho betreibt. Verloc führt ein Doppelleben: Er spioniert als Spitzel der britischen Polizei, aber auch einer ausländischen Botschaft anarchistische Kreise aus. Eines Tages bekommt er seitens der Botschaft den Auftrag, einen fingierten Terroranschlag auf die Sternwarte von Greenwich auszuführen. Verloc benutzt für dieses Attentat seinen arglosen Schwager Stevie. Eine fatale Entscheidung, die nicht nur für Stevie tödlich endet. »Der Geheimagent« ist ein knallharter Politikrimi um die Täuschungen und Selbsttäuschungen aller beteiligten Figuren – von den vermeintlichen und wahrhaften Terroristen, über die polizeilichen Ermittler bis zu den Politikern, die den Terror zu instrumentalisieren suchen. Seinem schonungslosen Blick auf private und ideologische Abgründe gewinnt Joseph Conrad auch zahlreiche komische Momente ab, denn die Figuren verstehen sich nicht oder sie verstehen sich falsch, sei es aus Ignoranz, Borniertheit oder Naivität. Conrad selbst hielt »Der Geheimagent« für seinen besten Roman. Frank Castorf, dessen fulminante Inszenierung von O’Neills »Der haarige Affe« noch im Spielplan ist, wird ihn für das Hamburger SchauSpielHaus adaptieren.

Illustration: Rocket&Wink



Regie: Frank Castorf Bühne: Aleksandar Denic Kostüme: Adriana Braga Peretzki Licht: Lothar Baumgarte
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