Zur vorherigen Seite

Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen!

von Elfriede Jelinek
Regie: Karin Beier
Uraufführung
Premiere am / 05/06/2021
SchauSpielHaus
3 Stunden
0 Minuten
Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! / Matthias Horn
Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! / Matthias Horn
Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! / Matthias Horn
Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! / Matthias Horn
Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! / Matthias Horn
Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! / Matthias Horn
Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! / Matthias Horn
Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! / Matthias Horn
Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! / Matthias Horn
Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! / Matthias Horn
Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! / Matthias Horn
Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! / Matthias Horn
Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! / Matthias Horn
Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! / Matthias Horn
Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! / Matthias Horn
Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! / Matthias Horn
Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! / Matthias Horn
Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! / Matthias Horn
Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! / Matthias Horn
Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! / Matthias Horn
Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! / Matthias Horn
Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! / Matthias Horn
Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! / Matthias Horn

Wenn sich Elfriede Jelinek, seit ihren literarischen Anfängen „Herrin der Medien-Gewitter“, in ihrem neuesten Theatertext an das unaufhörliche Gerede über die Pandemie in den Medien heftet, dann kann nur ein Strom schillernder Bedeutungen entstehen. Lärm: das ist der Wortschwall an Nachrichten, Reden, Erklärungen, Gerüchten, Theorien und Verschwörungsmythen, der uns im Zusammenhang mit der Pandemie täglich überschwemmt. Kunst ist, wie Jelinek aus dieser Kakophonie streitender Stimmen ein Netz bemerkenswerter Korrespondenzen spinnt: Beispielsweise ist die Behauptung, allein und einzig Wahrheit und Wirklichkeit zu kennen, ein Anspruch, den alle teilen und der gerade deshalb immer wieder aufs Neue spaltet und sprengt.

Auch Bilderwelten überlagern sich in diesem kalkuliert zwielichtigen Terrain. So überblendet Jelinek eine der berühmtesten Orgien der antiken Literatur, das Gelage bei der Zauberin Kirke, die Odysseus’ Gefährten in Schweine verwandelt, mit der enthemmten, zügellosen Welt der Superspreader von Ischgl, die das Corona-Virus in ganz Europa verbreiteten. Diese Analogie zeigt vielleicht am deutlichsten den unverschämten Witz Elfriede Jelineks, die Schreckensbilder der Pandemie in Amüsement umschlagen lässt, ohne ihre ernsthaften Absichten zu verraten. Denn wie eine schwarze Wolke lässt sie über der Groteske das todbringende Environment einer Natur schweben, die der Mensch unaufhörlich schändet. Umso wahnhafter das allgemeine Gerede über die erdrückenden Folgen dieser Hybris: Im Parforceritt zieht uns Jelinek durch krude Wege politischer Irrungen und Wirrungen, in Höhen und Niederungen mythischen Tiefsinns und realen Schwachsinns, so dass sich letztendlich die Frage stellt: Gehen in dieser apokalyptischen Landschaft der Blinden und Tauben nicht alle Wahrheiten in einem freiwillig-unfreiwilligen Gelächter zu Bruch?

Pressestimmen

NDR Kultur

„Revue, Lehrstück, Hörspiel – wie alle Jelinek-erfahrenen Regisseurinnen und Regisseure meißelt sich Karin Beier ihr Stück aus dem furiosen Text von Elfriede Jelinek, schafft Szenen und Figuren, arbeitet viel mit Dokumentaraufnahmen. […] Dass es ihr so gelingt, einen Abend über Corona auf die Bühne zu bringen, an dessen Ende kein Überdruss steht, ist bemerkenswert. Das liegt auch an dem Schwerpunkt, den sie setzt, der deutlich in die Zukunft weist: Jelinek und Beier geht es um die gespaltene Gesellschaft.“

Süddeutsche Zeitung

„Acht grandios gute […], auf Jelineks Textpiste sicher carvende Schauspieler, vier Männer, vier Frauen verausgaben sich gnadenlos. Am Ende steht ein 15-minütiger Hammer-Monolog, für den die absolut großartige Julia Wieninger ihre aufgeklebten Schlauchbootlippen abnimmt, aber eine umso größere Lippe riskiert.“

Die Welt Online

„Karin Beier lässt bei der Uraufführung in Hamburg in einer klugen Inszenierung mal die halbe, mal die ganze Sau raus. Die Regisseurin demaskierte ganze Industrien, die den frei nach Jelinek erbärmlichen Zustand der Zivilisation spiegeln. […] Das durch den Neustart hörbar beflügelte Ensemble legte mit moderatem Lärm los, denn Lärm bedeutet in diesem Stück nicht Lautstärke, sondern die Vielzahl der Stimmen, die durch sämtliche Medien auf den User einprasseln, das neue Chaos der sich in Blasen auflösenden bürgerlichen Öffentlichkeit.“

nachtkritik.de

„Beier bedient die Theater-Klaviatur virtuos [und] hat ein durch die Bank tolles Ensemble zur Verfügung.“

dpa

„Das Stück liefert in der Verschränkung von ausgebeuteter Natur und Seuchen-Ignoranz und in der Bloßstellung einer gestörten gesellschaftlichen Kommunikation einen klugen Kommentar zur Gegenwart.“

Eingeladen

  • Mülheimer Theatertage Logo