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Medea in Kolchis

Die Argonauten. Iason. Medea.

FREMDE SONNE / Eine Serie in sechs Folgen von Roland Schimmelpfennig / Folge iv.
Regie: Karin Beier
Uraufführung am 27/09/2026
SchauSpielHaus
1 Stunde
50 Minuten
Keine Pause
Empfohlen ab 16 Jahren
Produktionsfoto FREMDE SONNE Medea in Kolchis
Produktionsfoto FREMDE SONNE Medea in Kolchis
Produktionsfoto FREMDE SONNE Medea in Kolchis
Produktionsfoto FREMDE SONNE Medea in Kolchis
Produktionsfoto FREMDE SONNE Medea in Kolchis
Produktionsfoto FREMDE SONNE Medea in Kolchis
Produktionsfoto FREMDE SONNE Medea in Kolchis

iv. Medea in Kolchis: Eine Rekonstruktion

Vier Menschen sitzen beieinander. Vieles deutet darauf hin, dass sie sich in einer Art Therapiesitzung befinden oder in einer Psychiatrie. Es könnte aber genauso gut das Jenseits sein, eine Unterwelt wie die des Hades. Unter den vier Menschen befindet sich einer, der seit langem tot ist, Absyrtos, der Bruder der Medea, während die anderen – Iason, Medea, Aietes – noch am Leben sind. Eine Begegnung der Lebenden, Untoten und Toten, die so niemals stattgefunden haben kann. Roland Schimmelpfennig ersinnt eine Art Erinnerungsraum, in dem die vier mühsam eine gemeinsame Version der Geschichte zu „rekonstruieren“ suchen. Wir folgen ihnen nach Kolchis, um zu erfahren, was genau damals dort geschehen ist. Medea hat Iason zum Goldenen Vlies verholfen, so viel steht fest. Aber aus welchem Grund? War es Liebe oder Berechnung? Und wer hat nun ihren Bruder Absyrtos zerstückelt, um den Vater Aietes an der Verfolgung zu hindern? Ausgangspunkt des Textes ist eine Retrospektive und die Frage nach der Macht der Narration, die die Wirklichkeit rückwirkend scheinbar zu korrigieren vermag.

Extras zur Inszenierung

Mythos in Therapie

Dramaturgin Sybille Meier über »FREMDE SONNE«

Produktionsfoto FREMDE SONNE Medea in Kolchis

Pressestimmen

Hamburger Abendblatt

„Autor Roland Schimmelpfennig hat mit dieser Rekonstruktion das Geschehen in eine vielleicht weniger poetische, aber unangestrengte, klare Sprache gegossen. Er rückt den Stoff in der Erinnerung an die Gegenwart heran. Karin Beier macht daraus ein erstklassiges Schauspiel-Fest.“ (Annette Stiekele)

FAZ

„Das, was man hier zu sehen bekommt, gehört zum Besten, was derzeit auf deutschsprachigen Bühnen zu erleben ist. Das ist so konzentriert auf die Kunst des Schauspielens, so unabhängig von den Tagesthemen, so unumwunden komisch und tragisch, dass man gebannt im Stuhl sitzt und nirgendwo sonst sein möchte als hier: in Hamburg, im Schauspielhaus, wo vom Größten und Schrecklichsten zugleich gehandelt wird.”

„„Fremde Sonne“ ist die glückliche Fortsetzung einer geglückten Mutprobe. Regisseurin Karin Beier setzt ihre Arbeit am Mythos fort und zeigt souverän, wie Theater heute mitreißend wirken kann [...] Zwei Tage lang dauerte dieser fünfteilige Antiken-Marathon. Zwei Tage, an denen einem das Theater wichtiger erschien als alle Welt draußen. An denen man jedem davon erzählen wollte, was es hier zu sehen und zu erleben gab. „Die Größe eines Landes steht und fällt mit seinem Umgang mit dem Unbekannten“, hieß es einmal. Und man dachte insgeheim dabei: vielleicht ist es mit dem Theater gar nicht so anders. Hier in Hamburg jedenfalls steht es jetzt – so strahlend und stark wie schon lange nicht mehr.“ (Simon Strauß)

NDR Kultur

„Drei Teile hat dieser erste Abend, und er ist eigentlich eine einzige Überforderung, auch wenn Roland Schimmelpfennig und Karin Beier die komplexen Themen immer wieder gekonnt herunterbrechen. Themen, die heutiger kaum sein könnten: imperialistisches Streben, der Umgang mit dem Fremden, mit Freiheit. […] Ein toll gespielter Abend, klug komponiert von Karin Beier: vielfältig in der Form, mit Tanz, Gesang, viel Nebel und Wasser - einerseits mit Lust am großen Bild gestaltet, andererseits im Höhlenteil dann ganz auf einen Schauspieler fokussiert. Das macht Lust auf mehr.“

„Roland Schimmelpfennig gelingt es in seinen Texten, das Gestern und das Heute ineinanderfließen zu lassen, in oft kurzer, lakonischer Sprache. Dem setzt Karin Beier teilweise große Bilder entgegen: Auf der kastenartigen Bühne toben die Elemente, wenn die Argo, das wendige Langschiff mit 50 Rudern, auf scheinbar endloser Expedition ist. Später konzentriert sie sich ganz auf Medea und Iason.“ (Katja Weise)

nachtkritik.de

„Fremde Sonne" wird so konkreter politisch, weil der Abend hier reale Fluchtbiografien in den Blick nimmt. Die Rache, die Medea plant, ist entsprechend auch die Rache eines Menschen, von dem Integration verlangt wurde, ohne dass er diese Integration tatsächlich leisten kann. Und wie schließlich ein Frauenchor diese politische Positionierung von der Bühne in den Saal trägt, das lässt einem das Blut gefrieren.“ (Falk Schreiber)

taz

„Befeuert von einem Furienchor bricht Medea alle patriarchalen Normen, kämpft um Selbstachtung und ihre Kinder. Vergeblich. Es verwandelt sich grenzenlose Verzweiflungs- in Hass- und tödliche Racheenergie. Iason versteht schon lange nichts mehr. Während Beier und Beckmann den Kosmos des Menschlichen als Selbstzerstörungsmechanismus erschütternd nachvollziehbar mit einer emotionalen Wucht ausmessen, die atemlos macht. Dieser Abgesang auf die Zukunft besticht durch großartige Bilder, kleine Splatter-, viele komödiantische Effekte, die natürliche Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart sowie ein famoses Ensemble. Kompliziert klassisches Theater – at its best.“ (Jens Fischer)

Süddeutsche Zeitung

„Diese Spielvorlage [Schimmelpfennigs] ist eine Steilvorlage für Karin Beier und ihr Granaten-Ensemble. Sie geben dem Theater, was des Theaters ist. Zweieinhalb Jahre haben sie daran gearbeitet. Ein Megaprojekt, uraufgeführt nicht nur auf großer, sondern auf riesengroßer Bühne, gestaltet von Altmeister Johannes Schütz in geradezu erlesener Schwärze, ausgestattet in symbolstarkem Minimalismus. Für die sehr feine Soundkulisse ist Jörg Gollasch zuständig, für die Lichtdramatik Annette ter Meulen. Der magische Dreiklang in der Höhle des Zentauren, das Tropfen von Wasser, die neblige Atmosphäre, das Knarzen im Gebälk – all das ist von ausgesuchter Stimmigkeit und Präzision.“ (Christine Dössel)

DIE ZEIT

„Wie schon in der mehrteiligen Theben-Saga, sozusagen dem mythologischen Prequel dieser Aufführung, hat der Dramatiker Roland Schimmelpfennig für die Intendantin und Regisseurin Karin Beier einen göttergrollend-pointenstarken Text geschrieben, mit dem er sein Personal um die halbe Welt, letztlich aber immer zu sich selbst schickt. Jason, gespielt von Devid Striesow als entschieden unentschiedener Abenteurer, klabautert durch die Meere, begleitet von einem depressiven Herkules, dem Dämon seines sadistischen Lehrmeisters, und einem Schiffskoch, Bjarne Mädel, der erst seinen Glauben verliert und dann an einer Raviolidose scheitert. Sie alle sind Getriebene, von höheren Mächten – den Göttern, dem Schicksal, dem System – durch ihr Leben geschleift, unterscheidbar nur durch die Art und Weise, wie sie auf das reagieren, was von vornherein unvermeidlich war.“ (Sven Behrisch und Tobi Müller)