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Medea in Korinth

FREMDE SONNE Die Argonauten. Iason. Medea. / von Roland Schimmelpfennig

Eine Serie in sechs Folgen / Folge v.
Regie: Karin Beier
Uraufführung am 27/09/2026
SchauSpielHaus
1 Stunde
35 Minuten
Keine Pause
Empfohlen ab 16 Jahren
Produktionsfoto FREMDE SONNE Medea in Korinth
Produktionsfoto FREMDE SONNE Medea in Korinth
Produktionsfoto FREMDE SONNE Medea in Korinth
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Produktionsfoto FREMDE SONNE Medea in Korinth
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Produktionsfoto FREMDE SONNE Medea in Korinth
Produktionsfoto FREMDE SONNE Medea in Korinth
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v. Medea in Korinth: Die verlorenen Kinder

Mit »Medea« hat Euripides eine der faszinierendsten und verstörendsten Tragödien der Antike geschaffen. In über 200 Bearbeitungen erfährt sie eine enorme Rezeptionsgeschichte. Anfänglich nur eine Episode in der Fahrt der Argonauten, wird Medea im Laufe der Jahrhunderte zu einer der bedeutendsten Frauenfiguren der Weltliteratur. Roland Schimmelpfennigs Bearbeitung des Stoffes verbindet die Tragödie des Euripides mit dem psychologischen Zugriff Grillparzers und legt den Schwerpunkt auf die Reflexion des Mutterbildes in einer Männergesellschaft. Iason und Medea haben ein rastloses Nomadendasein in Griechenland hinter sich. Medea ist und bleibt die Fremde, die argwöhnisch beäugt und gemieden wird. Der hiesigen Erwartung an eine „gute“ Ehefrau und Mutter entspricht sie jedenfalls nicht. Aus Iolkos musste das Paar fliehen wegen Mordverdachts am Herrscher Pelias. Jetzt, im neuen Asyl Korinth, beschließt Iason, dieser Unglücks-Liaison ein Ende zu bereiten und Medea zu verlassen, um die Königstochter Kreusa zu heiraten und endlich doch noch König zu werden. Medea und die Kinder sollen verbannt werden. Die Fremde stört nur noch. Da beschließt sie eine ungeheure Tat: sie wird ihre beiden Kinder opfern – für ihr Gerechtigkeitsempfinden, als Vergeltung dafür, dass ihr nur mit Ressentiment und Misstrauen begegnet wird, als grausamer Akt gegen Iason, sich selbst und ihre Fehlentscheidung, dem Mann in die andere Welt gefolgt zu sein.

Extras zur Inszenierung

Mythos in Therapie

Dramaturgin Sybille Meier über »FREMDE SONNE«

Produktionsfoto FREMDE SONNE Medea in Korinth

Pressestimmen

Hamburger Abendblatt

„Wieder einmal ist es ihr [Karin Beier] gelungen, in ihrem Ensemble am Schauspielhaus unbändige Spielfreude zu entfachen und Hamburg Theaterereignisse zu schenken, die weit über die Stadt hinaus wirken werden.“ (Heinrich Oehmsen)

FAZ

„Das, was man hier zu sehen bekommt, gehört zum Besten, was derzeit auf deutschsprachigen Bühnen zu erleben ist. Das ist so konzentriert auf die Kunst des Schauspielens, so unabhängig von den Tagesthemen, so unumwunden komisch und tragisch, dass man gebannt im Stuhl sitzt und nirgendwo sonst sein möchte als hier: in Hamburg, im Schauspielhaus, wo vom Größten und Schrecklichsten zugleich gehandelt wird.”

„„Fremde Sonne“ ist die glückliche Fortsetzung einer geglückten Mutprobe. Regisseurin Karin Beier setzt ihre Arbeit am Mythos fort und zeigt souverän, wie Theater heute mitreißend wirken kann [...] Zwei Tage lang dauerte dieser fünfteilige Antiken-Marathon. Zwei Tage, an denen einem das Theater wichtiger erschien als alle Welt draußen. An denen man jedem davon erzählen wollte, was es hier zu sehen und zu erleben gab. „Die Größe eines Landes steht und fällt mit seinem Umgang mit dem Unbekannten“, hieß es einmal. Und man dachte insgeheim dabei: vielleicht ist es mit dem Theater gar nicht so anders. Hier in Hamburg jedenfalls steht es jetzt – so strahlend und stark wie schon lange nicht mehr.“ (Simon Strauß)

NDR Kultur

„Drei Teile hat dieser erste Abend, und er ist eigentlich eine einzige Überforderung, auch wenn Roland Schimmelpfennig und Karin Beier die komplexen Themen immer wieder gekonnt herunterbrechen. Themen, die heutiger kaum sein könnten: imperialistisches Streben, der Umgang mit dem Fremden, mit Freiheit. […] Ein toll gespielter Abend, klug komponiert von Karin Beier: vielfältig in der Form, mit Tanz, Gesang, viel Nebel und Wasser - einerseits mit Lust am großen Bild gestaltet, andererseits im Höhlenteil dann ganz auf einen Schauspieler fokussiert. Das macht Lust auf mehr.“

„Roland Schimmelpfennig gelingt es in seinen Texten, das Gestern und das Heute ineinanderfließen zu lassen, in oft kurzer, lakonischer Sprache. Dem setzt Karin Beier teilweise große Bilder entgegen: Auf der kastenartigen Bühne toben die Elemente, wenn die Argo, das wendige Langschiff mit 50 Rudern, auf scheinbar endloser Expedition ist. Später konzentriert sie sich ganz auf Medea und Iason.“ (Katja Weise)

nachtkritik.de

„Fremde Sonne" wird so konkreter politisch, weil der Abend hier reale Fluchtbiografien in den Blick nimmt. Die Rache, die Medea plant, ist entsprechend auch die Rache eines Menschen, von dem Integration verlangt wurde, ohne dass er diese Integration tatsächlich leisten kann. Und wie schließlich ein Frauenchor diese politische Positionierung von der Bühne in den Saal trägt, das lässt einem das Blut gefrieren.“ (Falk Schreiber)

taz

„Befeuert von einem Furienchor bricht Medea alle patriarchalen Normen, kämpft um Selbstachtung und ihre Kinder. Vergeblich. Es verwandelt sich grenzenlose Verzweiflungs- in Hass- und tödliche Racheenergie. Iason versteht schon lange nichts mehr. Während Beier und Beckmann den Kosmos des Menschlichen als Selbstzerstörungsmechanismus erschütternd nachvollziehbar mit einer emotionalen Wucht ausmessen, die atemlos macht. Dieser Abgesang auf die Zukunft besticht durch großartige Bilder, kleine Splatter-, viele komödiantische Effekte, die natürliche Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart sowie ein famoses Ensemble. Kompliziert klassisches Theater – at its best.“ (Jens Fischer)

Süddeutsche Zeitung

„Theater wie Netflix, nur besser“ (Christine Dössel)

„Diese Spielvorlage [Schimmelpfennigs] ist eine Steilvorlage für Karin Beier und ihr Granaten-Ensemble. Sie geben dem Theater, was des Theaters ist. Zweieinhalb Jahre haben sie daran gearbeitet. Ein Megaprojekt, uraufgeführt nicht nur auf großer, sondern auf riesengroßer Bühne, gestaltet von Altmeister Johannes Schütz in geradezu erlesener Schwärze, ausgestattet in symbolstarkem Minimalismus. Für die sehr feine Soundkulisse ist Jörg Gollasch zuständig, für die Lichtdramatik Annette ter Meulen. Der magische Dreiklang in der Höhle des Zentauren, das Tropfen von Wasser, die neblige Atmosphäre, das Knarzen im Gebälk – all das ist von ausgesuchter Stimmigkeit und Präzision.“ (Christine Dössel)

DIE ZEIT

„Wie schon in der mehrteiligen Theben-Saga, sozusagen dem mythologischen Prequel dieser Aufführung, hat der Dramatiker Roland Schimmelpfennig für die Intendantin und Regisseurin Karin Beier einen göttergrollend-pointenstarken Text geschrieben, mit dem er sein Personal um die halbe Welt, letztlich aber immer zu sich selbst schickt. Jason, gespielt von Devid Striesow als entschieden unentschiedener Abenteurer, klabautert durch die Meere, begleitet von einem depressiven Herkules, dem Dämon seines sadistischen Lehrmeisters, und einem Schiffskoch, Bjarne Mädel, der erst seinen Glauben verliert und dann an einer Raviolidose scheitert. Sie alle sind Getriebene, von höheren Mächten – den Göttern, dem Schicksal, dem System – durch ihr Leben geschleift, unterscheidbar nur durch die Art und Weise, wie sie auf das reagieren, was von vornherein unvermeidlich war.“ (Sven Behrisch und Tobi Müller)

„Lina Beckmann spielt ihre Medea mit Haut und Haar, als rettungslos in den Helden Verliebte, als schamvolle Verräterin, als vor Wut rasende Verlassene. Diese Medea läuft in einem anderen Schicksalsmodus als all die anderen, sie leistet Widerstand, will Handelnde sein. Und deshalb, nicht weil sie als Flüchtling ausgestoßen am Rand lebt, nicht weil man sie gedemütigt und verstoßen hat, tötet sie ihre Kinder. Sie will sich schützen mit ihrer Tat: »Niemand wird mir jemals etwas Schlimmeres antun als ich mir selbst«, sagt sie, und noch keine hat schlüssiger, empfindsamer und brutaler einen Kindsmord begründet als diese Medea, die man nie vergessen wird.“ (Sven Behrisch und Tobi Müller)

3sat Kulturzeit

„Karin Beier knüpft überzeugend an ihren ANTHROPOLIS-Zyklus an, mit einem starken Ensemble und mit Schimmelpfennigs poetischen Texten, die die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen. „FREMDE SONNE“ beweist wie aktuell griechische Stoffe immer noch sind. Es ist eine Geschichte über Eroberung und Ausgrenzung und über die Suche nach der Wahrheit. Das Ringen um Macht und Ruhm führt nur zu Unheil. Der Mensch ist und bleibt des Menschen Horror.“ (Kerstin Edinger)

nd-aktuell

„Was in diesem Jahr [mit „Die Odyssee“] auf der Kinoleinwand so effekthascherisch wie grobschlächtig daherkam, das will Karin Beier allerdings auf der Theaterbühne gelingen. Am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, das Beier im 14. Jahr leitet, 9000 Kilometer vom reichlich überschätzten Hollywood entfernt, erzählt sie mit Mitteln des Theaters von Iason und seinem Aufstieg, von Medea und ihren zahllosen Demütigungen, vom Goldenen Vlies und seinen Verheißungen.“ (Erik Zielke)

„»Fremde Sonne« heißt der neue, nicht minder ambitionierte Antikenzyklus aus Hamburg, dieses Mal bestehend aus vier abendfüllenden Inszenierungen. Wer einen einmal errungenen Erfolg mit ähnlichen Mitteln einfach wiederholen will, der sollte das Scheitern nicht fürchten. Hat man die Erwartungen nicht vielleicht selbst so hochgeschraubt, dass Enttäuschungen zwangsläufig folgen müssen? Das Risiko bestand. Aber so ist es nicht gekommen. Das Schauspielhaus hat einen neuen Hit.“ (Erik Zielke)

Flensburger Tagesblatt

„Schon jetzt: Standing Ovations für eine kluge Analyse des Machtstrebens und der (düsteren) Motive des menschlichen Handelns, dargeboten von einem fulminanten Ensemble.“ (Dagmar Leischow)

WELT am Sonntag

„Was Nolan mit „Die Odyssee“ vorhatte, ist Beier mit „Fremde Sonne“ gelungen: ein Drama der in sich kollabierenden Globalisierung.“ (Jakob Hayner)

„Dass wir heute gezwungen sind, das Theater als Seismograf einer Krise zu entdecken, ist ebenso erstaunlich wie die grandiose Kunstfertigkeit, mit der Karin Beier eben das gelingt. Jeder Teil wird vom Publikum mit stehendem Applaus bedacht. Wer braucht schon Blockbuster-Kino, wenn man solches Theater hat?“ (Jakob Hayner)