Kindeswohl

von Ian McEwan / Bühnenadaption des Romans »The Children Act«
von Karin Beier und Sybille Meier
aus dem Englischen von Werner Schmitz

Premiere 18/09/2021

SchauSpielHaus

Dauer: ca. Zwei Stunden. Keine Pause.

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Über die Rechte von Kindern und Jugendlichen wird derzeit viel gestritten. Die gegen die Corona-Pandemie eingesetzten politischen und gesellschaftlichen Bewältigungsstrategien verlangen der jungen und jüngsten Generation das größte Opfer ab. Nicht selten wird in öffentlichen Debatten das Kindeswohl als der am meisten durch die Krise geschädigte Grundwert unserer Zivilgesellschaft markiert. Vor kurzem lag sogar ein Entwurf der Bundesregierung vor, der Kinderrechte künftig auch im Grundgesetz verankern wollte.
Der Titel von Ian McEwans Roman könnte aktueller nicht sein. Auch die Familienrichterin Fiona Maye am Londoner High Court wird regelmäßig mit Rechtsstreitigkeiten konfrontiert, in denen sie über die widersprüchlichen Interessen von Erwachsenen und ihren Kindern befinden muss. Hier hat sich der Schutzauftrag des Rechtsstaates zu beweisen. Umsichtige Urteile sind zu fällen trotz unterschiedlicher Wertevorstellungen und Freiheitsbegriffe, variabler Auffassungen von menschlichem Wohlbefinden und Glück, trotz einer augenscheinlichen Kluft zwischen Kulturen, Identitäten, Gefühlslagen, Lebensentwürfen, Familienbeziehungen, fundamentalen Grundsätzen, Religionen und Meinungen. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere und dem Tiefpunkt ihrer Ehe erreicht Fiona Maye ein richterlicher Eilantrag: Sie soll über Leben und Tod entscheiden. Wird dem siebzehnjährigen Adam keine Bluttransfusion verabreicht, wird er innerhalb weniger Tage an Leukämie sterben. Doch als strenggläubige Zeugen Jehovas lehnen seine Eltern und er diese lebensrettende Maßnahme strikt ab. Ihre Religion verbietet ihnen, das Leben über den Glauben zu stellen. Fiona beschließt kurzerhand, den jungen Adam persönlich in der Klinik aufzusuchen, und verlässt den üblichen Weg ihrer Professionalität – ein schwerwiegender Schritt, der fatale Folgen nach sich ziehen soll.

Fotos: Matthias Horn

Es spielen: Paul Behren, Yorck Dippe, Paul Herwig, Christoph Jöde, Jan-Peter Kampwirth, Julia Wieninger Musiker*innen: Bendix Dethleffsen, Michael Heupel, Swantje Tessmann

Regie: Karin Beier Bühne: Johannes Schütz Kostüme: Astrid Klein Komposition: Jörg Gollasch Licht: Annette ter Meulen Dramaturgie: Sybille Meier

Pressestimmen

NDR Kultur

„Beier mischt geschickt Emotion und Debatte. […] Die Inszenierung vermag fast durchgehend zu fesseln, so fein ist sie gebaut, wechselt immer wieder Tempo und Temperament, es kann sogar gelacht werden, wenn die gerade eine schwere Ehekrise durchleidende Richterin mit ihrem Mann streitet oder mit Kollegen Musik macht. Julia Wieninger spielt [die Richterin] mit deutlich mehr Temperament, als die Buchvorlage nahelegt und bekam dafür am Ende viel Applaus. [‚Kindeswohl‘ ist] ein Abend, der klug viele Fragen stellt.“

Hamburger Abendblatt

„Paul Herwig legt einen famos ridikülen Ehemann hin, ohne seine Figur zu verraten, Yorck Dippe überzeichnet souverän den kalauernden Saxophon-Freund, und Paul Behren überzeugt als sensibler Adam, dessen fiebrige Lebenslust bei aller Empfindsamkeit noch in der Todessehnsucht mitschwingt. Im Zentrum der Inszenierung steht vor allem die kraftvolle, offen agierende Julia Wieninger, die ihrer Fiona sowohl eine Entschlossenheit als auch eine spürbare Verletzlichkeit mitgibt. Wieninger spielt das mit großer Warmherzigkeit und enormer Präzision; ihr schlichtes düsteres Schlusslied, Rilkes „Der Tod ist groß“, gehört dabei zu den anrührendsten Szenen. Großer Applaus.“

Deutschlandfunk Kultur

„Eine sehr ansprechende und interessante Aufführung und ein sehr intelligenter Text. […] Um Julia Wieninger und die verführerisch kluge und junge Adam-Figur von Paul Behren entwickelt sich ein fein gewebtes Kammerspiel.“

FAZ

„Mit leichter Regie-Hand bringt Karin Beier die schweren Themen zusammen, leuchtet Positionen aus und deutet Kontroversen an. Diese Offenheit weiß das vortreffliche Ensemble bestens zu nutzen, glänzt immer wieder mit unerwarteter Komik am Rande des Abgrunds. So die großartige Julia Wieninger […] So bleibt das kammerspielhaft verdichtete Gespräch über Leben und Tod, das Karin Beier mit ihrer nachdenklichen Inszenierung auslöst, in Bewegung und das Theaterparkett ein guter Ort, um auf seine Anstöße mit eigenen Gedanken reagieren zu können.“

dpa

„Die Inszenierung zeigt sehr präzise die Verflechtungen der Figuren auf. Beier gelingt eine fast puristische Inszenierung, in der die Schauspieler und ihre musikalischen Talente zur Geltung kommen und eine Vertonung des Gedichts "Der Tod ist groß" von Rainer Maria Rilke für eine berührende metaphysische Ebene sorgt.“

Hamburger Morgenpost

„Regisseurin und Intendantin Karin Beier stellt die Konflikte pointiert und sehr elegant aus. Vor allem der Einsatz der Musik ist außerordentlich effektiv: scheinbar beiläufig, aber atmosphärisch zentral. Auch die Darsteller:innen selbst greifen immer wieder zu Instrumenten. So sind die gut zwei Stunden Kammerspiel eine beherzte, durchaus unterhaltsame Auseinandersetzung mit schwierigen Fragen über den Wert des Lebens an sich, über gesellschaftliche Verantwortung und die Selbstbestimmung des Einzelnen.“

NDR Hamburg Journal

„Das Stück wirft viele Fragen auf, macht nachdenklich und manchmal auch traurig, aber es ist auch brandaktuell.“

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