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Revolution

von Viktor Martinowitsch / Deutsch von Thomas Weiler
Regie: Dušan David Pařízek
Premiere / 13/05/2022
SchauSpielHaus
3 Stunden
0 Minuten
Revolution / Maris Eufinger
Revolution / Maris Eufinger
Revolution / Maris Eufinger
Revolution / Maris Eufinger
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Revolution / Maris Eufinger
Revolution / Maris Eufinger
Revolution / Maris Eufinger
Revolution / Maris Eufinger

Der Roman »Revolution« handelt nicht von Revolution, eher vom Gegenteil: Dem Fortbestand und der Fortpflanzung von Macht. Dennoch haben sich Demonstrierende während der Proteste 2020 in Minsk immer wieder mit dem Buch in der Hand fotografieren lassen. In Belarus, dem Heimatland des Autors, wurde es zu einem Zeichen des Widerstands – dann schnell verboten und sein Verleger verhaftet. Offenbar, weil es die Strukturen, auf welche die Macht sich stützt, so treffend beschreibt, in ihren sublimen wie ihren brachialen Formen und Auswüchsen. Und obwohl der Schauplatz des phantastischen Geschehens gar nicht Minsk ist, sondern das mondäne, vom cashflow durchspülte Moskau, dem Ort der Korruption und der Reichtümer unvorstellbaren Ausmaßes. Die stalinistische Vergangenheit, die Phantasie und der Horror allumfassender Macht, auch ihre literarische Spiegelung in Michail A. Bulgakows großartigem Roman »Der Meister und Margarita«, scheinen auferstanden und ragen in die Jetztzeit hinein. Aber alles in »Revolution« ist extrem modern und auf der Höhe der Zeit: Luxus-SUVs, Waffen, Überwachungs- und Unterhaltungselektronik und sonstige Verführung.
Die Hauptfigur, ein Dozent für Architektur, wird in einen mysteriösen Autounfall verwickelt und gezwungen, umgehend eine größere Summe Geld aufzutreiben. Das ist der Anfang seiner Verbindung mit einer mafiösen Organisation um einem greisen Paten, der tatsächlich Regierungsmacht ausübt, jedenfalls alle staatlichen Organe zu kontrollieren scheint. Bald schon lernt der Held die Schokoladenseite dieser Quasi-Diktatur kennen, auf der es sich gut leben lässt – wären da nicht diverse Einsätze, die äußerste Brutalität und Skrupellosigkeit erfordern. Das Geschehen nimmt gespenstische Fahrt auf. Der Held und Ich-Erzähler verlässt seine Geliebte – die eigentliche Adressatin des Romans, der die neuen Reichtümer unheimlich sind – und korrumpiert sich selbst restlos. Noch im Moment des größten möglichen Widerstands muss sich der Held als absolut vorhersehbar in seinen Handlungsreflexen erkennen. Selten wurde die Frage nach der Steuerbarkeit von Menschen so radikal und zeitgemäß gestellt wie in Martinowitschs’ jüngstem Roman. Die Idee persönlicher Freiheit steht schonungslos auf dem Prüfstand.

Pressestimmen

nachtkritik.de

„Ein zauberhaft magisches Spiel mit dem Teufel irgendwo zwischen Comic-Strip, Ego Shooter und Quentin Tarantino-Trash. […] Live-Musik machen die meisten Ensemblemitglieder auch noch, arrangiert von ihrem Schauspielkollegen Peter Fasching, der die Instrumente ähnlich schnell wechselt wie die Rollen. Er sorgt für den atmosphärischen Sound der Inszenierung irgendwo zwischen Elektroclub, Eurovisionpop, russischem Chanson und Opernparodie. […] Da liegen Moskau und Hamburg plötzlich doch wieder sehr nah beieinander. An einem extrem menschlichen Theaterabend.“

FAZ

„„Revolution“ ist die lustig verstörende Geschichte vom Willen zur Unterordnung unter die Macht. Die verwandelt Menschen in Schatten, wie Rebekka Dahnkes Lichtregie veranschaulicht, sie belohnt Hoevels Helden jedoch auch durch Videosuggestionen rasanter Autofahrten und Hochleistungssex. Auf Kommando des Paten sagt er sich von Olja los. Und selbst der Befreiungsschlag bringt ihm nur den endgültigen Rollentausch mit jenem. Applaus für einen hochinspirierten Theaterabend.“

NDR Hamburg Journal

„Rasante Rauschfahrt durchs Moskau der Nullerjahre. […] Groteske Oper und Fantasiespiel zugleich […] So komisch wie grausam sind Roman und das Stück, sie bringen Klarsicht in den Nebel von Machtstrukturen. Erschreckend aktuell.“

Landeszeitung Lüneburg

„Wie bei fast jedem Mafia-Film ist auch hier der allmächtige Chefschurke ein väterlich liebender und eiskalt strafender Gott. Ernst Stötzner spielt den greisen, weisen Paten süffisant bis selbstironisch als Natter, die aus der Ruhe blitzschnell zubeißt. Aber so ist das mit den Potentaten. Sie wirken wie Karikaturen, aber sie sind nicht zum Lachen. Ähnlichkeiten mit real existierenden Systemen und Personen sind nicht zufällig.“

NDR Kultur

„Das Ensemble begeistert. Daniel Hoevels wirft sich geradezu hinein in Michail. Er trägt den dreistündigen Abend mit einer unglaublichen Energie. Dass Dušan David Pařizek auf aktuelle Anspielungen verzichtet, das Publikum selbst denken lässt, ist ein weiterer Pluspunkt. Alles fügt sich gut bei dieser "Revolution". Am Ende viel Applaus - auch für den strahlenden Autor Viktor Martinowitsch.“

Hamburger Morgenpost

„Es ist ein bissiger und aktueller Kommentar zur Lage in manchen Ländern Osteuropas und natürlich besonders in Russland. […] Regisseur Dušan David Parizek entwickelt daraus spannendes und bisweilen sehr komisches Erzähltheater. Das gelingt mit einem fulminanten Ensemble um Hauptdarsteller Daniel Hoevels. „Revolution“ ist nie langweilig, hat manche Ecke und Kante, ist mal rau und schnodderig. Wie eine gute Freundschaft. Oder eben: Vollblut-Bühnenkunst.“