Die Brüder Karamasow

von Fjodor Michailowitsch Dostojewski
aus dem Russischen von Swetlana Geier
Fassung von Bastian Lomsché und Rita Thiele

Premiere 12/09/2021

SchauSpielHaus

Dauer: ca. Zwei Stunden. Fünfzig Minuten. Eine Pause.

Termine

In seinem letzten Werk erzählt Fjodor M. Dostojewski die Geschehnisse um die Ermordung des Scheusals Fjodor Karamasow und die Ermittlungen gegen seine Söhne Dimitrij, Iwan und Aljoscha. Diese „Geschichte einer Familie“, wie das erste Buch im Roman heißt, legt die zwischenmenschlichen Abgründe der Figuren und das poröse Gerippe einer überholten Gesellschaft in der Mitte des 19. Jahrhunderts frei. In einer Zeit, in der Religiosität und aufkeimender Liberalismus aufeinanderprallen, Gott in Frage gestellt und die Seele für kausal begreifbar erklärt wird, werden die Gewissheiten des Daseins der „alten Menschen“ pulverisiert.
Auch 140 Jahre nach Erscheinen des Romans scheinen geltendes Recht und Rechtsgefühl vermehrt auseinander zu driften. Die Menschheit bedürfte im Angesicht der Klimakatastrophe, gigantischer Fluchtbewegungen, Demokratiekrisen und einer kaum für möglich gehaltenen, weltweiten Pandemie ebenfalls einer radikalen Neuwerdung, der sich jedoch große Kräfte entgegenstellen.
Oliver Frljić war Intendant des Kroatischen Nationaltheaters in Rijeka, bis er aus Protest gegen die Kulturpolitik 2016 seinen Rücktritt erklärte. Seit 2015 inszeniert er in ganz Europa, verstärkt auch im deutschsprachigen Raum. Mit »Die Brüder Karamasow« wird er seine Beschäftigung mit dem Werk Dostojewskis fortsetzen und erstmals am Deutschen SchauSpielHaus arbeiten.

Foto: Thomas Aurin

Es spielen: Michael Prelle, Sasha Rau, Paul Behren, Eva Bühnen, Sandra Gerling, Jonas Hien, Christoph Jöde, Markus John, Matti Krause, Carlo Ljubek, Eva Maria Nikolaus Kinderstatisten: Liam Adamsberger, Wendelin Mutaniol

Regie: Oliver Frljic Bühne: Igor Pauška Kostüme: Katrin Wolfermann Licht: Holger Stellwag Musik: Daniel Regenberg Dramaturgie: Sybille Meier

Pressestimmen

Die Zeit

„Frljić ist sichtlich interessiert, mithilfe von Dostojewski den Ritualen einer erstarrten Theatermoderne zu entkommen und zu einem intimeren, emotional und intellektuell spannenderen Seelenspiel vorzudringen. Er kann Dialoge nicht nur ausstaffieren, sondern zu beklemmender Präsenz bringen. Den grässlichen Vater Karamasow bringt der großartige Markus John in eine Balance von Sadismus und Wehleidigkeit, die dem Zuschauer Schauder über den Rücken jagt wie seit Menschengedenken im Theater nicht mehr.“

nachtkritik.de

„Es gibt tolle Momente, wenn sich das Ensemble freispielt! Sandra Gerlings Gruschenka ist eine grandios traurige Femme fatale, ein schwarzer Engel, eine verlorene Seele mit sinnlichem Selbstbewusstsein. Fürchterlich faszinierend, wie sehnsuchtsvoll sadistisch sie mit den Männern der Familie Karamasow und mit dem Publikum spielt […] Je stärker ideologische Gerüste zerfallen, je fragwürdiger Welterklärungsmodelle werden, umso näher kommt dieser Theaterabend seinen Figuren. […] Dostojewski hätte vermutlich seine Freude gehabt.“

Hamburger Abendblatt

Markus John spielt den alten, weißen Mann beeindruckend raumgreifend, mit dröhnend virilen Grab-’em-by-the-pussy-Vibes. […] Sandra Gerling als Gruschenka ist auf der Schauspielhaus-Bühne eine echte Naturgewalt. Diese Frau ist buchstäblich on fire, und nicht nur, wenn sie eine lichterloh brennende Schleppe lässig hinter sich herzieht. Vollkommen nachvollziehbar, dass alle Kerle ihr verfallen. Und Aljoscha, der feinnervigste der drei Brüder Karamasow, wird mit sanfter, beharrlicher Klarheit von Paul Behren gespielt.“

Flensburger Tageblatt

„Frljić und sein großartiges Ensemble zeigen verzweifelte, mit sich ringende Figuren, deren sehnlichster Wunsch ein anständiges Leben in einem funktionierenden Wertesystem ist. […] Frljić schafft beeindruckende Bilder. Viel Beifall für eine starke Ensemble- und Regieleistung.“

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