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Prolog/Dionysos

ANTHROPOLIS I

von Euripides/Roland Schimmelpfennig
Regie: Karin Beier
Uraufführung am / 15/09/2023
SchauSpielHaus
2 Stunden
50 Minuten
Eine Pause
Prolog/Dionysos / Monika Rittershaus
Prolog/Dionysos / Monika Rittershaus
Prolog/Dionysos / Monika Rittershaus
Prolog/Dionysos / Monika Rittershaus
Prolog/Dionysos / Monika Rittershaus
Prolog/Dionysos / Monika Rittershaus
Prolog/Dionysos / Monika Rittershaus
Prolog/Dionysos / Monika Rittershaus
Prolog/Dionysos / Monika Rittershaus
Prolog/Dionysos / Monika Rittershaus
Prolog/Dionysos / Monika Rittershaus
Prolog/Dionysos / Monika Rittershaus
Prolog/Dionysos / Monika Rittershaus
Prolog/Dionysos / Monika Rittershaus

Prolog

Die Geschichte der Stadt Theben beginnt mit einem zweifachen Mord. Nachdem Kadmos vergeblich seine von Zeus entführte Schwester Europa auf dem Kontinent gesucht hat, wendet er sich an das Orakel von Delphi. „Vergiss die Schwester“, lautet die Antwort, „treibe eine Kuh vor dir her und dort, wo sie sich niederlässt, gründe eine Stadt.“ Kadmos hetzt die Kuh so lange vor sich her, bis sie tot zusammenbricht in der Nähe einer Quelle, die wiederum von einem Drachen bewacht wird. Den erschlägt Kadmos, bricht ihm die Zähne aus und sät sie in die Erde. Sofort wachsen aus den Zähnen bewaffnete Drachenmänner, Krieger, die sich gegenseitig niedermetzeln – nur fünf überleben das Massaker. Mit ihnen gründet Kadmos die Stadt Kadmeia, später das siebentorige Theben genannt. Von Anfang an ist die Gewalt der Zivilisationsgeschichte eingeschrieben. Schon die ersten zivilisatorischen Maßnahmen zur Gründung dieser Urstadt der westlichen Welt zeigen sich als Tötungsdelikte. Die Vernichtung des Tieres und des Tierwesens ist quasi die Voraussetzung, um überhaupt als Gesellschaft im urbanen Raum existieren zu können. Wie aber lassen sich die Gewaltakte stoppen, die die Grundfeste der Menschenstadt von Generation zu Generation aufs Neue erschüttern?

Dionysos

Die Geschichte von der Geburt des Dionysos aus dem Schenkel des Zeus klingt mehr als bizarr. Kein Wunder, dass sie niemand glauben will in Theben, nachdem Dionysos’ irdische Mutter Semele, eine Tochter des Kadmos, so schändlich verbrennen musste. Angeblich hat der Erzeuger Zeus den Fötus aus dem Feuer geholt und in seinem Bein ausgetragen. Inzwischen ist Theben zu einer  reichen Stadt angewachsen, und Kadmos hat den Thron an seinen Enkel Pentheus abgetreten. Da taucht Dionysos auf und behauptet, ihm stünde religiöser Kultstatus zu. Doch der auf Maß und Regeln getrimmte Pentheus verweigert ihm den Glauben.  Dionysos stürzt daraufhin das Ordnungssystem des Patriarchen in eine tiefe politische und moralische Krise. Er schickt die Frauen auf einen Trip und verbreitet unter ihnen Wahnsinn und Raserei. Der Rausch endet grausam und blutig. Dionysos triumphiert über die Ungläubigen der Stadt. Er scheint eine kollektive Lust am gewaltsamen Untergang freigelegt zu haben, die dem Konstrukt „Stadt“ in seinen verdrängten Positionen innewohnt.

Mit den »Bakchen« hat Euripides seine letzte und radikalste Tragödie geschrieben. Die Übertragung und Bearbeitung der »Bakchen« unter dem neuen Titel »Dionysos« verschärft die Konflikte zwischen Untergangsphantasien und Vernunftdenken, Ordnungswahn und Lust am Chaos zu heutigen Fragestellungen einer Stadtgesellschaft. Wieviel Spannungszustände sind wir noch bereit auszuhalten?

Nominiert für das Berliner Theatertreffen 2024.

Finden Sie hier Informationen zum kulinarischen Angebot rund um den ANTHROPOLIS-Marathon.

 

Nominiert für das

  • Theatertreffen 2024

Pressestimmen:

ARD tagesthemen

„Ein grandioser Auftakt zum tödlichen Fünfteiler, der Theben nennt und unsere Gegenwart meint.“

Die Welt

„Theaterautor Roland Schimmelpfennig verleiht den antiken Mythen und Dramen, die der Schauspielhaus-Pentalogie zugrunde liegen, sprachlich und dramatisch in einer umfassenden Reformulierung eine ansprechende Form. […] Dem Dramatiker gelingt der Drahtseilakt zwischen hohem Ton und Einebnung. Auf dieser soliden Stücke-Basis gelingt auch Beier mit leichter Hand, mit ihrem hoch konzentrierten, hingebungsvollen Ensemble am ersten Abend die Gratwanderung zwischen Komik und Tragik. Das Ergebnis ist einer der seltenen Theaterabende, an denen die Zeit verfliegt. Kaum ist man drin, ist man schon wieder draußen, drei Stunden und 3000 Jahre älter.“

Süddeutsche Zeitung

„Und dann schließt diese rundum gelungene Inszenierung in aller Konsequenz ihre innere Logik ab. Die Zivilisation maximaler Gleichzeitigkeit, an die sich westliche Menschen als Himmelreich auf Erden so intensiv gewöhnt haben, wird immer noch von Machtkämpfen gelenkt, die ein eindeutiges Entweder-oder verlangen. Wie De-Eskalation aussehen könnte, das bleibt dann die im Theaterrausch verborgene Frage.“

nachtkritik.de

„Was eine gute Serie ebenfalls ausmacht, ist die Erzählung. Und Wittenborn erzählt dann eben erstmal: wie Europa entführt wird, wie Agenor seinen Sohn Kadmos ausschickt, die verlorene Schwester wiederzufinden, wie Kadmos zwar erfolglos bleibt, aber nebenbei die Stadt Theben gründet, was zunächst ein Gewaltakt ist und dann die Zivilisierung des Unzivilisierten. […] [Das Ende des Prologs wird] von Lina Beckmann mit einer wunderbar derben Weinprobe eingeleitet. Beckmann ist ja grundsätzlich eine der reizendsten Komikerinnen des deutschen Theaters, und hier spielt sie das mit Lust an der Grenzübertretung aus – […].“

Hamburger Abendblatt

„Dionysos ist ein Abend, der alle Sinne bespielt, man schmeckt den Rausch, riecht die feuchte Erde, ergibt sich dem Lärm. […] Und der Cliffhanger, den jede Serie braucht, damit das Begehren getriggert wird? Ist die effektreiche und heftig bejubelte Auftakt-Inszenierung selbst. Dionysos, Gott der Ekstase, dürfte ganz zufrieden sein.“

Hamburger Morgenpost

„[…] Die Bilder, die Karin Beier entwickelt, tragen das Stück mit einer guten Balance aus Schwere und Leichtigkeit über die knapp drei Stunden. Es gibt humoristische Momente (eine Comedy-Weinprobe mit Lina Beckmann) und extrem starke Bilder. Ein tiefenentspanntes Pferd hat zwei Auftritte, eine Gruppe von Taiko-Trommler:innen schlägt effektvoll zum Kampf, aus dem Ensemble ragen Van Boven sowie Beckmann in ihrer Schlussszene heraus. Fortsetzung folgt!“

Die Welt

„Schauspielhaus-Intendantin Karin Beier ist in Hamburg […] der ganz große Wurf gelungen, mit einem fantastischen Ensemble auf und einem großartigen Team hinter der Bühne. »Anthropolis« ist ein Theaterereignis, wie es nur noch selten zu finden ist. Schließlich muss alles stimmen, vom Theaterstück, das den Nerv der Zeit trifft, über die Regie, die jeweils anderthalb bis zwei Stunden die Spannung auf die Spitze treibt, und die Bühne, Kostüme, Musik bis hin zu den kraftzehrenden Leistungen starker Darsteller.“

Sehen Sie alle Teile von ANTHROPOLIS

Laios

ANTHROPOLIS II

Laios / Monika Rittershaus
von Roland Schimmelpfennig
Regie: Karin Beier

Ödipus

ANTHROPOLIS III

Ödipus / Monika Rittershaus
von Sophokles/Roland Schimmelpfennig
Regie: Karin Beier

Iokaste

ANTHROPOLIS IV

Iokaste / Thomas Aurin
von Roland Schimmelpfennig/ Euripides
Aischylos / Regie: Karin Beier

Antigone

ANTHROPOLIS V

Antigone / Thomas Aurin
von Sophokles/ Roland Schimmelpfennig
Regie: Karin Beier